In Gabun beginnt der Africa Cup, das größte Fußballturnier des Kontinents. Doch das Land ist politisch aufgewühlt, Fußball spielt eigentlich gerade gar keine Rolle.

Gabun an der westlichen Atlantikküste Zentralafrikas hat ein Problem: Voriges Jahr wählten die 1,7 Millionen Bürger ihren neuen Präsidenten und der amtierende Präsident Ali-Ben Bongo Ondimba gewann mit hauchdünnem Vorsprung von nicht einmal 6000 Stimmen. Die Opposition spricht von Wahlfälschung, es gab blutige Unruhen mit mindestens 100 Toten.

Es brodelt unter der Oberfläche

Zurzeit ist es ruhig in Gabun. "Es gibt keine Demonstrationen mehr auf der Straße", berichtet Afrikakorrespondentin Linda Staude. Es brodelt unter der Oberfläche. Präsident Ondimba sagt, er wolle den Africa Cup zur politischen Versöhnung nutzen und nach den Wettkämpfen mit Oppositionsführer Jean Ping in Gespräche einsteigen. Der aber lehnt das ab. Der Africa Cup sei nur Imagepolitur, kein Anlass zur Versöhnung.

Auch in sportlicher Hinsicht gibt es Probleme. Gabun musste zwei Stadien komplett neu bauen, erst in den letzten Minuten sind sie fertig geworden. Aber die Parkplätze sind noch nicht fertig, mit dem Licht gibt es Probleme, die Infrastruktur ist noch nicht vollständig, berichtet Linda Staude: "Sportfans müssen also mit einigen Unannehmlichkeiten rechnen."

"Die Tickets für die Spiele wären auch für ärmere Menschen in Gabun erschwinglich. Wenn sie denn Interesse hätten."
Linda Staude, Afrikakorrespondentin

Die Menschen in Gabun haben eigentlich gar keinen Bock auf Fußballspiele. Das Motto ist eher, sagt Linda Staude: "Wir haben ganz andere Probleme, Fußball interessiert uns überhaupt nicht." Gabun ist zwar eines der reichsten Länder Afrikas, ein wichtiger Erdölförderer, aber von dem Reichtum kommt bei der leidenden Bevölkerung kaum etwas an. Und seitdem der Ölpreis eingebrochen ist, gibt es in dem Land eine Wirtschaftskrise.

"Schon beim Africa Cup 2012 sind die Stadien leer geblieben. Wenn Gabun selbst gespielt hat, waren sie voll, wenn die anderen Teams gespielt haben, sind sie leer geblieben."
Linda Staude, Afrikakorrespondentin