Der ältestes Coffeeshop Amsterdams musste letztes Jahr schließen, weil er zu nah an einer Schule lag. Die Coffeeshopszene in der Stadt verändert sich. Das betrifft auch das La Tertulia. Es gibt es schon seit dreißig Jahren.

Es ist ein gemütliches Café, direkt auf der Prinsengracht, im Zentrum von Amsterdam. Das La Tertulia hat große Fenster, gerahmte Bilder an den Wänden und ein Regal mit Gesellschaftsspielen. Zu kaufen gibt es neben Snacks und frisch gepressten Orangensaft auch Haschisch und Marihuana, legal.

Laut Anti-Drogen-Richtlinie der Stadt Amsterdam, müssen Coffeeshops mindestens 250 Meter Abstand zu Schulen einhalten. Auch das La Tertulia ist betroffen. Seit 30 Jahren gibt es den Coffeeshop. Er gehört Marion und ihrer Tochter Aline. Jetzt haben sie Post von der Stadt bekommen.

Phasenweise Schließung der Coffeeshops

Bisher mussten Mutter und Tochter ihr Café nicht zumachen. Sie profitierten sogar von der Situation: "Ständig kommen neue Leute, aber alle Plätze sind belegt", berichtet DRadio-Wissen-Reporterin Paula Rösler.

"Innerhalb der letzten drei Jahre mussten schon 19 Cafés schließen."
DRadio-Wissen-Reporterin Paula Rösler

Seit 1995 hat sich die Zahl der Coffeeshops in Amsterdam halbiert, von 350 auf 167. Erst im letzten Jahr machte der älteste Shop der Stadt dicht: Das 1967 gegründete Mellow Yellow musste schließen, weil es zu nah an einer Friseurschule lag. Das Interesse an den soften Drogen ist aber nach wie vor groß. Laut Amsterdamer Tourismusbehörde plant jeder vierte Gast einen Besuch im Coffeeshop.

Abstandsregel ist Kompromiss

Wo die Leute also nicht mehr gemütlich in Coffeeshops kiffen können, sind sie attraktive Kunden für illegale Straßendealer. Auch deshalb glaubt die Stadt Amsterdam noch an das Coffeeshopkonzept. Die Abstandsregel sei als Kompromiss mit der konservativen Regierung in Den Haag ausgehandelt worden, berichtet Paula Rösler.

"Ohne Coffeeshops verlagert sich der Konsum auf die Straße."

Manche Touristen kommen eben fast nur wegen der Coffeeshops, andere wegen Van Gogh oder dem Anne Frank Museum. "Die Schließung aller Coffeeshops würde den Tourismus negativ beeinflussen", meint auch Dirk Korf.