Es wäre eine radikale Reform: Jeder Deutsche bekommt 800 Euro im Monat. Dafür steigen allerdings die Steuern massiv. Profitieren würden ärmere Familien. Wer reich ist, müsste sich allerdings mit weniger Geld im Monat zufrieden geben.

800 Euro für jeden von uns pro Monat - egal, wie reich oder arm wir sind. Das ist die Idee hinter dem bedingungslosen Grundeinkommen. Neu ist diese Idee nicht, aber in Finnland könnte sie bald in die Tat umgesetzt werden. Auch die Schweizer stimmen im kommenden Jahr über das bedingungslose Grundeinkommen ab. In den Niederlanden soll die Idee in einzelnen Städten umgesetzt werden.

"Es ist eine sehr radikale Reform mit vielen Gewinnern und vielen Verlierern."
Robin Jessen, Volkswirtschaftler an der Freien Universität Berlin

In Deutschland wäre das bedingungslos Grundeinkommen auch finanzierbar, sagt Robin Jessen, Volkswirtschaftler an der Freien Universität Berlin. Allerdings nur dann, wenn auch die Steuern erhöht würden. Der Einheitssteuersatz müsste dann bei 70 Prozent liegen, rechnet der Volkswirtschaftler vor - inklusive aller Sozialbeiträge.

Für einen Single, der 3000 Euro brutto pro Monat verdient, hieße das: rund 100 Euro weniger Einkommen netto - statt 1800 blieben ihm dann nur noch 1700 Euro. Die 800 Euro Grundeinkommen sind da schon mit drin. Einem alleinstehenden Angehörigen der Mittelschicht bleibt also weniger Geld im Monat übrig, wenn das bedingungslose Grundeinkommen umgesetzt wird.

Sozialleistungen fallen weg

Sozialleistungen wie Hartz IV würden dann wegfallen, ebenso die Sozialhilfe. Wer neben dem bedingungslosen Grundeinkommen nichts mehr dazuverdient, muss von seinen 800 Euro noch für seine Wohnung aufkommen. Die Gewinner des Modells sind Menschen, die noch etwas dazuverdienen und Paare oder Alleinerziehende mit Kindern, erklärt Robin Jessen. Weil das Kindergeld momentan nur rund 200 Euro beträgt, nach dem Modell des bedingungslosen Grundeinkommens, jede und jeder unter 18 Jahren allerdings 380 Euro erhalten soll.

Gewinner und Verlierer

Für Robin Jessen ist klar: Die Einführung eines bedingungslosen Grundeinkommens wäre eine sehr radikale Reform. Rund die Hälfte aller Bundesbürger würde profitieren, die andere Hälfte verlieren. Wobei besonders die reicheren 50 Prozent der Deutschen verlieren würden. Auch deshalb dürfte die Reform wohl nur schwer durchsetzbar sein.

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