96 Prozent der Wähler aus Gibraltar stimmten gegen den Brexit und für einen Verbleib in der EU. Während Großbritannien den Austritt weiter vorantreibt, versucht Gibraltars Regierungschef alles, um den Exit seiner Halbinsel zu verhindern. Doch in Brüssel muss er sich harten Gegnern stellen.

Wenn es nach Fabian Picardo ginge, müsste ein Exit vom Brexit - zumindest für Gibraltar - eigentlich keine große Sache sein. Das britische Überseegebiet im Süden Spaniens hat und will gar keinen Euro, ist nicht im Schengen-Raum und nicht einmal Mitglied in der europäischen Zollunion. "Wir können einfach so weiter machen, wie bisher", sagt der Regierungschef von Gibraltar.

"Wir brauchen alle diese Privilegien nicht. Aber wir wollen mit zu dem Projekt Europa gehören."
Gibraltars Regierungschef über die Beziehung zur EU

Weil Gibraltar so sehr an das europäische Projekt glaubt, ist Fabian Picardo im Moment in Brüssel unterwegs - um für den Verbleib der Halbinsel in der EU zu werben. Doch da stößt der Politiker auf eisernes Schweigen.

"Er dachte, da würde sich Junckers Tür öffnen. Und der Präsident der EU-Kommission würde sagen: großartig, Picardo!"
ARD-Korrespondent Ralph Sina über Picardos Bemühungen in Brüssel

Kein Treffen mit EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker und auch keins mit seinem Vize Frans Timmermanns. "Niemand hatte Zeit für ihn, weil die Spanier im Hintergrund die Strippen gezogen und gesagt haben: Sprecht bloß nicht mit dem!", sagt Brüssel-Korrespondent Ralph Sina.

Winzige Chance

Sogar ein zugesagter Auftritt im EU-Parlament, bei dem Picardo sein Anliegen vortragen wollte, wurde kurz vorher abgesagt, berichtet Ralph Sina. Weil ein spanisches Mitglied sein Veto gegen die Rede eingelegt.

"In einer Insel der Europafeindlichkeit wollen wir wie ein Fels dastehen."
Fabian Picardo

Doch Gibraltar will noch nicht aufgeben. Und ARD-Korrespondent Ralph Sina glaubt, dass die Halbinsel zumindest eine klitzekleine Chance haben dürfte. Denn in Brüssel sei die Stimmung momentan so: "Wenn es Ernst wird, werden wir es den Schotten ermöglichen, zu bleiben - ohne dass sie vorher rausfliegen", sagt Sina. Und wieso sollte es dann nicht auch möglich sein, dass Gibraltar ebenfalls EU-Mitglied bleibt?