Samuel wird mit elf Jahren von seiner Mutter verlassen. 23 Jahre später bekommt seine Lebensgeschichte ein neues Kapitel - und Samuel muss einige Geheimnisse lüften.

"Hab' keine Angst", sagt Samuels Mutter Faye, als sie ihn für immer verlässt. Samuel ist 11 Jahre alt und versteht nichts. Er hört, wie sie ihren Koffer zur Garage schleppt, wie der Motor anspringt, wie sie davonfährt.

23 Jahre sind vergangen, seitdem er mit der Erkenntnis leben muss, ein Sohn zu sein, der von seiner Mutter nicht besonders geliebt wird. Wurde er in der Schule und anderswo gefragt, wo seine Mutter sei, sagte er immer, sie sei gestorben.

"Ich rufe Sie im Namen Ihrer Mutter an"

Heute ist Samuel Mitte 30, ein unmotivierter Jungprofessor für Literatur, zudem computerspielsüchtig und Single.

40 Stunden in der Woche opfert er seiner digitalen Leidenschaft: er bekämpft in der Gestalt des Elfendiebs Dodger fiese Orks und fette Drachen. Mittlerweile gehört er zu den richtig guten Spielern und ist Mitglied einer Gilde.

An einem Tag im Spätsommer 2011 erhält Samuel einen Anruf von einem Anwalt. "Ich rufe Sie im Namen ihrer Mutter an."

Er macht sich auf die Suche nach den Spuren seiner Mutter

Samuel hatte seit zwei Tagen keine Nachrichten gesehen, kein Radio gehört, und auch keine anderen Internetseiten außer die seines Elfenspiels besucht. Es war völlig an ihm vorbeigegangen, dass ein umstrittener Politiker mit Aussicht auf das Präsidentenamt mit Kieselsteinen attackiert worden war - von einer weißhaarigen Frau in Leggins.

Samuel erfährt am Telefon, dass die Steine schmeißende Frau seine Mutter ist, und dass er ihr helfen soll, obwohl er gar nicht will, weil er wütend ist. Aber er weiß, dass er sie treffen muss, wenn er hinter ihre Geheimnisse kommen will. Samuel macht sich auf die Suche nach den Spuren seiner Mutter. Er hat Angst vor dem, was er findet. Aber: je mehr er findet, desto mehr begreift er, dass eine Entscheidung für oder gegen etwas nur ein winziger Teil in der Geschichte eines ganzen Menschenleben ist.

"Geister" von Nathan Hill ist 2016 in der Übersetzung von Übersetzt von Katrin Behringer und Werner Löcher-Lawrence im Piper Verlag erschienen.