Unisex-Mode ist cool und fortschrittlich, hat aber ein großes Problem: die Passform. Eine Designerin will das ändern.

Gerade startet in London die Fashion Week und die Grenzen zwischen Männer- und Frauenmode verschwimmen weiter - das klingt super, ist natürlich auch nicht ganz unkompliziert, weil sich Männer- und Frauenkörper unterscheiden. Und so sagt auch die Modedesignerin Sarah Effenberger: Wer Mode entwerfen will, die Männern und Frauen passen soll, muss schon sehr körperfern entwerfen. Also eher sackförmig ohne größere Kurven.

Wer ihren und seinen Körperformen gerecht werden will, muss deshalb in die Trickkiste der Schnittgestaltung greifen. Frauen brauchen ein bisschen mehr Platz an der Hüfte und Männer haben eine flachere Brust. An genau dieser Stelle profitieren Frauen von Abnähern, die Formen und Kurven besser unterstützen. Kurz zusammengefasst wird bei Männern v-förmig entworfen - also von den Schultern ausgehend schmaler. Bei Frauen ähnelt die Silhouette dagegen eher einer Sanduhr, sagt Sarah Effenberger.

Ein Herrenmodeentwurf von Sarah Effenberger
© Sarah Effenberger
Ein Entwurf für Fomme von Sarah Effenberger

Unisex ist gerade wichtig - auch weil Androgynität gerade ein Thema ist, das Hand in Hand mit der Genderdiskussion geht. Sarah Effenberger bedauert allerdings, dass in der Mode dann alles gleich gemacht wird. Sie entwirft für ihr Label Fomme Herrenkollektionen, bedient sich dabei aber sehr gerne auch bei der Frauenmode. Sie will den Mann ein bisschen weiblicher und niedlicher machen, ohne dass er seine Männlichkeit verliert.

"Ich versuche dem Mann in der Mode ein bisschen mehr Freiräume zu geben, dass er in alle Facetten eintauchen kann, ohne damit lächerlich zu wirken."
Sarah Effenberger, Modedesignerin

Und wer so ein Ziel verfolgt, fragt sich natürlich irgendwann auch: Warum sollten das nicht auch Frauen anziehen? Sarah Effenbergers einziges Problem: Sie entwirft in Männergrößen und weiß aus eigener Erfahrung, dass sie Männermode zwar fasziniert, aber sie einfach nicht reinpasst. Bei ihren Entwürfen war ihr also wichtig, nicht einfach androgyne Frauen in Herrenklamotten zu stecken, sondern den gleichen Look anzubieten aber für die unterschiedlichen Körper von Männern und Frauen zugeschneidert.

Grundsätzlich findet Sarah Effenberger Herrenmode zur Zeit spannender, weil hier noch nicht alles ausgeschöpft ist. Auch deshalb stecken viele Herrendesigner gerade auch Frauen in ihre Kollektion. Das Problem: Auf den Laufstegen tragen das in der Regel sehr schlanke und große Models, die mit dem weiblichen Durchschnittskörper wenig zu tun haben.