Die Berliner Polizei ermittelt bei Taschendiebstählen jetzt nur noch in Ausnahmefällen. Was so klingt wie der gemeinsame Traum aller Taschendiebe-Banden ist tatsächlich Realität.

Allerdings geht es dabei nicht darum, Taschendieben einen Freifahrtschein auszustellen. Die Berliner Polizei möchte Taschendiebstähle nur noch verfolgen, wenn es Aussicht auf einen Ermittlungserfolg gibt. Und das ist leider sehr selten der Fall, erklärt Michael Böhl. Er ist der Berliner Landesvorsitzende im Bund Deutscher Kriminalbeamter.

"Jemand kommt betrunken von einer Feier und stellt dann fest, er ist bestohlen worden. Er kann sich aber an fast gar nichts mehr erinnern. Dann wird’s halt schwierig, wenn man keine Zeugen hat, dem nachzugehen."
Michael Böhl, Bund deutscher Kriminalbeamter

Die Berliner Polizei will nur noch Manpower in Ermittlungen stecken, die auch Aussicht auf Erfolg haben. Trotzdem, sagt Böhl, sei es wichtig genau hinzugucken, ob es da noch etwas zu ermitteln gibt oder nicht. Und diese Entscheidung müsse nach wie vor von Kriminalisten getroffen werden und nicht in der Verwaltung.

Taschendiebe sind ein immer größer werdendes Problem

Besonders düster sieht es in Düsseldorf, Köln und in Berlin aus. Allein in Berlin hat die Polizei fast 45.000 Fälle gezählt im vergangenen Jahr. Das ist ein Viertel mehr als im Jahr davor. Die Diebe werden immer professioneller. Neben den Gelegenheitsdieben, die ausnutzen, dass man seinen Rucksack vergessen hat zuzumachen, oder sein Portemonnaie auf dem Tisch liegen lässt, gibt es immer mehr professionelle Banden.

Michael Böhl vom Bund Deutscher Kriminalbeamter befürchtet, bei den Leuten könnte jetzt ankommen, es lohne sich nicht einen Diebstahl anzuzeigen.

"Das wäre katastrophal! Wir brauchen diese Anzeigen, um Täterstrukturen zu erkennen, auch wenn wir den Täter nicht bekommen. Aber die Vorgehensweise und der Ort sind manchmal ganz wichtig, um Täterserien zu erkennen."
Michael Böhl, Bund deutscher Kriminalbeamter

Eine andere Polizeitaktik im Kampf gegen Diebstähle sind Schnellverfahren, mit denen Täter innerhalb einer Woche nach der Festnahme verurteilt werden. Michael Böhl hält sie für zielführend, denn viele Täter könnten sich oft nach eineinhalb Jahren, wenn es zum Prozess kommt, gar nicht mehr an die Tat erinnern. Und dann bringen sie auch die Strafe kaum noch in Verbindung mit dem, was sie gemacht haben.

Die Polizei in Dortmund verteilt zum Beispiel kleine Glöckchen, die man an Rucksäcke oder Geldbeutel dran machen kann. Das soll Täter abschrecken. In Berlin klebt die Polizei Aufkleber zum Beispiel auf Rucksäcke, wo drauf steht "der hätte jetzt geklaut sein können". Oder sie sprühen Graffitis auf den Boden, wo davor gewarnt wird, dass gerade viele Taschendiebe unterwegs sind.