Wenn ein Mensch stirbt, muss sich irgendwer um das kümmern, was übrig bleibt: ein Haus, ein Ring oder ein antikes Möbelstück. Aber was, wenn ein Mensch ganz alleine stirbt - ohne Familie, Freunde oder Verwandte? Dann springt Hildegard Knottenberg-Bierke ein. Die Nachlasspflegerin kümmert sich um alles, was nach dem Tod zu tun ist. Dazu gehört auch, sich tief in das Leben eines einsamen und fremden Menschen einzugraben - als letzten Dienst an dem Verstorbenen.

"Es gibt andere, die haben weiß Gott wie viel Freunde da drin und die Kneipe, das Sparkässchen, Kegelclub oder den Karnevalsverein. Aber die Frau hatte nichts."
Hildegard Knottenberg-Bierke über das Telefonbuch einer Verstorbenen, das kaum Kontakte enthielt
Nachlasspflegerin
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Nachlasspflegerin Hildegard Knottenberg-Bierke

Als Einhundert-Autorin Vera Pache mit Hildegard Knottenberg-Bierke in der Wohnung der Verstorbenen war, öffneten sie jeden Schrank und jede Kiste. Da wurde Vera bewusst, wie viel Kram wir eigentlich alle haben. Und als sie vor ein paar Wochen selbst bei sich zuhause aufräumte, ging ihr die Frage durch den Kopf: Wie wäre das jetzt eigentlich, wenn jemand anderes ihr eigenes Regal ausräumen und durchforsten müsste?