Bei den Jungs geht es eine Oktave runter, bei den Mädchen eine Terz. Der Stimmbruch ist wohl die größte stimmliche Veränderung, die wir Menschen erleben. Und er macht auch vor den Stars nicht halt: Kehlkopf und Stimmlippen werden größer. Das ist ziemlich unausweilich.

Vor vier Jahren traf es den Rock-Kinderstar Justin Bieber. Als er in den Stimmbruch kam, drohte ihm das Karriere-Aus. Vor allem seine weiblichen Fans animierten ihn über das Netz zum Durchhalten und Weitermachen. Derzeit macht er allerdings eher mit Eskapaden als mit seiner Stimme auf sich aufmerksam.

Stimme verändert sich ein Leben lang

Stimme unterliegt einem ständigen Wandel, konstatiert Hörsaal-Gast Prof. Stefan Willer, Experte für Kulturforschung an der Berliner Humboldt-Universität. So gebe es auch die sogenannte Altersstimme und Registerbrüche. Willer belegt diese Thesen mit Musikzitaten - nicht nur von Justin Bieber, sondern auch von Leonard Cohen und Bob Dylan.

"Stimmen verändern sich: Stimmen können brechen. Das gilt für bestimmte emotionale Situationen, es gilt aber auch über längere Zeiträume hinweg."
Prof. Stefan Willer, HU Berlin

"Die Stimme im Ausnahmezustand" hieß die Jahrestagung des ZfL, des Zentrums für Kultur- und Literaturforschung, aus der Willers Vortrag stammt. Sie wurde vom 13. bis 15. November 2014 in Berlin durchgeführt. Willers Vortrag trägt den Titel "Stimmbrüche - Vokale Mutation als Regel und Ausnahme".

Die Professorin Sigrid Weigel, Direktorin des Zentrums für Literatur- und Kulturforschung berichtet über "Die Stimme der Klage". Sie hat erforscht, wie Klageweiber noch vor Jahren und vor Jahrhunderten ihre Töne erzeugten, wenn Verstorbene zur Begräbnisstätte übergeführt wurden.

"Es ist berichtet worden, dass die Frauen insbesondere sich die Haare gerauft haben, das Gesicht zerkratzt, die Kleider zerrissen, usw."
Prof. Sigrid Weigel, Zentrum für Literatur- und Kulturforschung

Dabei ist Stimme immer Ausatmung. Kein Unterschied zu uns heute, wenn wir das Wort ergreifen. Erst war der Atem da, danach entstand während der Menschheitsgeschichte die Sprache, die wir zusätzlich auf die von uns ausgestoßene Luft legen.