Der Großteil der Bevölkerung ist laut einer aktuellen Umfrage für die "Ehe für alle". Theoretisch. Viele finden es gleichzeitig nämlich unangenehm, wenn homosexuelle Paare ihre Zuneigung in der Öffentlichkeit zeigen.

Komisch beäugt zu werden gehört für Sefika Mai und ihre Partnerin zum Alltag. Ein Erlebnis ist ihr aber ganz besonders in Erinnerung geblieben. Sie lief mit ihrer Partnerin und den zwei Kindern durch die Stadt, als plötzlich jemand vor ihnen auftauchte.

"Da wurde am helllichten Tag vor uns ausgespuckt und gesagt: Scheiß Lesben!"
Sefika Mai über Diskriminierungserfahrungen in der Öffentlichkeit

Mehrheit für "Ehe für alle", aber...

"Das wichtigste war uns in dem Moment, dass wir die Kinder aus der Situation rauskriegen, weil einfach eine ganz aggressive Atmosphäre entstand", erzählt Sefika heute.

In einer aktuellen Befragung der Antidiskriminierungsstelle des Bundes heißt es zwar, dass 83 Prozent der Befragten für die gleichgeschlechtliche Ehe sind. 38 Prozent sagen aber auch, dass sie es bei gleichgeschlechtlichen Männern "eher bis sehr unangenehm" finden, wenn sie in der Öffentlichkeit ihre Zuneigung zeigen. 27,5 Prozent finden es unangenehm, wenn es sich um zwei Frauen handelt. Bei heterosexuellen Paaren sind es nur 10,5 Prozent.

Sefika sagt: "Die Ehe für alle" theoretisch gut und gerecht zu finden, ist einfach. "Dann ganz konkret auch sichtbar damit konfrontiert zu werden, das ist noch mal was anderes."

"Für mich zeigt sich da, dass es doch eher was Oberflächliches ist."
Sefika Mai über Toleranz gegenüber Homosexuellen

Die Erfahrung hat auch Sefika bei ihrer Arbeit gemacht. Sie arbeitet als Sozialpädagogin in der Landeskoordination Anti-Gewalt für Lesben und Schwule in Nordrhein-Westfalen. "Wir haben immer wieder Eltern, die in die Beratung kommen, weil der Sohn schwul ist oder sich die Tochter als lesbisch geoutet hat", sagt sie. "Und die wirklich teilweise sogar von ihren eigenen Reaktionen überrascht sind."

Skepsis im privaten Lebensumfeld

"Liberale Menschen, die von sich selbst sagen würden: Wir sind sehr tolerant gegenüber Minderheiten zum Beispiel, und auf einmal haben sie doch ein Problem."
Sefika Mai über Erfahrungen bei ihrer Arbeit

Das legt auch ein weiteres Ergebnis der Befragung nahe. Da heißt es: Die Menschen werden skeptischer, sobald das Thema Homosexualität den privaten Lebensbereich berührt. Wenn jemand also im Job homosexuell ist, dann ist das eher ok, als wenn der eigene Sohn oder die Tochter homosexuell ist.

Grundsätzlich sei es nicht schlimm, ein Gefühl zu haben, das nicht positiv ist, sagt Sefika. "Problematisch wird es, wenn du dir dadurch das Recht rausnimmst, eine doofe Bemerkung zu machen oder deine Kinder vielleicht zu diskriminieren."