Während der Abschlussarbeit nehmen ja einige Leute zu. Julian Conrads hat es bei seiner Doktorarbeit geradezu darauf angelegt. Er hat kiloweise Süßigkeiten an Kölner Büdchen gekauft, um zu testen, wie ehrlich die Büdchenverkäufer sind.

Gemeinsam mit seinen ehemaligen Kommilitonen Felix Ebeling und Sebastian Lotz führte Julian Conrads den Test im Fach Verhaltensökonomie durch. Für ihr Feldexperiment haben die Forscher über 80 Kölner Buden angesteuert. Dort kauften sie zwischen 50 und 100 Gramm Lutscher, Gummibärchen und andere Ware, die abgewogen werden muss. Zuhause überprüften sie dann das Gewicht und den berechneten Preis. In einer zweiten Testphase variierten sie außerdem ihre Outfits bei den Büdchen-Besuchen. Mal erschienen sie im Anzug, mal im legeren Studi-Look.

Gleich ehrlich - und unehrlich

Es zeigte sich, dass die Mehrheit ehrlich war. Egal, wie die Tester auftraten - als Businesstypen oder arme Studenten. Auffällig war, dass vor allem geschummelt wurde, wenn die Waage für den Kunden nicht zu sehen war. In einem Drittel der Fälle, wo die Waage nicht in Sichtweite war, mogelten die Verkäufer ein paar Cents dazu.

Unterschiedliche Weingummis
© dpa
Darf's ein bisschen mehr sein? Beim Test an Kölner Buden schummelten die Verkäufer nur selten ein paar Cents dazu. Wen sie betrogen, war dabei egal. Die unehrlichen Verkäufer schummelten immer.

Der Büdchentest ist allerdings nur der Aufhänger für die Doktorarbeit der Verhaltensökonomen. Die drei Forscher wollten eine weit verbreitete ökonomische Theorie überprüfen: Viele Ökonomen gehen davon aus, dass in Märkten die Moral nicht zählt. Ist die Entdeckungswahrscheinlichkeit gering und drohen kaum Strafen, dann gehe Gewinnmaximierung über alles. So die Annahme.

"Menschen flunkern häufig ein bisschen, aber nie so, dass man sagen würde, dass es wirklich moralisch verwerflich ist."
Sebastian Lotz, Verhaltensökonom

Experimentelle Methoden gehören in der Verhaltensökonomie dazu. Für die drei Wissenschaftler lag der besondere Reiz darin, in einem echten Markt zu testen und zwar einem mit erhöhtem Wettbewerbsdruck. In Köln reiht sich schließlich eine Bude an die nächste. Aus ihrem Test im kleinen Kölner Wettbewerbsmarkt ergeben sich auch Erkenntnisse für das große Business. Vertrauen spielt offenbar letztlich doch eine Rolle. Das beweisen auch Reputationssysteme, die Ebay oder Amazon verwenden, um Kundenzufriedenheit und -vertrauen herzustellen.

"Wir selber konnten das süße Zeug tatsächlich irgendwann nicht mehr sehen."
Julian Conrads, Verhaltensökonom

Die Süßigkeiten haben sie übrigens mit ihren Kollegen an der Uni geteilt. Mit dem Ergebnis, dass diese am Ende keiner mehr sehen konnte. Im nächsten Projekt von Sebastian Lotz müssten sie allerdings vielleicht wieder zubeißen: Es geht um den Geschmack von Fairness. Schmeckt ein Produkt besser, weil wir wissen, dass es fair gehandelt ist?