Wenn sich geniale Köpfe wie Filmemacher Chris Kraus ("Vier Minuten", "Poll") und Schauspieler Lars Eidinger ("Alle anderen", "Was bleibt", "Tatort - Der stille Gast") zusammen tun, muss etwas spannendes dabei heraus kommen. Hofft man. Ist es auch, im Fall von "Die Blumen von gestern", der diese Woche im Kino anläuft. Regisseur und Hauptdarsteller sind heute zu Gast.

Totila Blumen (Lars Eidinger) ist Holocaust-Forscher. Als solcher versteht er - selbstverständlich - keinen Spaß. Weder im Allgemeinen noch im Speziellen, wenn seine Kollegen versuchen, aus einem Auschwitzkongress ein werbefinanziertes Medien-Event zu machen. Der Gipfel der Zumutbarkeit ist für "Toto" allerdings in dem Moment erreicht, in dem man ihm auch noch die sehr junge und sehr nervige französische Studentin Zazie (Adèle Haenel) als Praktikantin vor die Nase setzt. Die folgt ihm einerseits wie ein Hündchen und hat andererseits mit Totos noch nervigerem Vorgesetzten (Jan Josef Liefers) ein Verhältnis.

"Es kam zu der Idee, als ich als Enkel eines Täters auf Enkel von Opfern traf. Und erstaunt war, dass die Juden versuchten, sehr zwanglos mit mir umzugehen. Und zwanglos heißt so ein klischeehafter jüdischer Witz."
Chris Kraus, Regisseur

Andere Art der Vergangenheitsbewältigung

Chris Kraus hat sich schlicht geweigert, noch einen weiteren Holocaust-Vergangenheits-Bewältigungs-Film zu drehen, mit der immer gleichen, oft gekünstelt wirkenden, betroffenen, deutschen Schamgefühl-Attitüde. Er erzählt stattdessen eine Geschichte der dritten Nachfolge-Generation, die ihre eigenen Wege finden muss, mit dem umzugehen, was die eigenen Großeltern gemacht haben - oder ihnen passiert ist, je nachdem, ob es die Täter-Enkel oder die Opfer-Enkel sind.

"Der Menschenhass ist das Ende der Menschheit."
Lars Eidinger, Schauspieler

Ihm ist dabei hoch anzurechnen, dass es ihm gelingt, "Die Blumen von gestern" einerseits als urkomische und doch das Thema ernst nehmende Groteske zu inszenieren, ohne dass der Film ins wahlweise Alberne oder ins Jammern abdriftet. Lars Eidinger und sein französisches Gegenüber Adéle Haenel treffen dabei den jeweiligen Ton dermaßen exakt, dass man die Glaubwürdigkeit dieser absurden Geschichte zu keiner Zeit infrage stellt.

Cowboy-Drama und La La Land

Außerdem diese Woche neu im Kino: "Hell Or High Water", ein raues, texanisches Cowboy-Drama um zwei Bankräuber (Chris Pine, Ben Foster), die von einem bald aus dem Amt scheidenden Sheriff (Jeff Bridges) gejagt werden und natürlich "La La Land", die gerade erst siebenfach ausgezeichnete Musical-Tragikomödie mit Emma Stone und Ryan Gosling.

Als neue Serie startet am Freitag auf Netflix "A Series Of Unfortunate Events" mit Neil Patrick Harris in der Hauptrolle. Er wird in der kommenden Woche unser Gast sein, dann beschäftigen wir uns ausführlicher mit dieser Serienverfilmung der erfolgreichen, amerikanischen Bücher von Lemony Snicket.