Nora Bossong ist im Bordell gewesen, auf dem Straßenstrich, im Swingerclub und auf der Venus. Auf der Suche nach Erotik. Was sie gefunden hat, ist vor allem eines: sehr traurig.

Als Kind war Nora Bossong immer klar: Mädchen gehen nicht durch rote Türen. Das ist nur Männern vorbehalten. Davon hat sie sich aber nicht lange abhalten lassen. Und erfahren: Die Mädchen sind meistens schon drin - in den Zimmern, Kabinen und Räumen hinter den roten Türen. Wohl fühlen sich dort nur die wenigsten von ihnen.

"Den meisten geht es um den schnellstmöglichen Orgasmus!"
Nora Bossong, Autorin des Buches "Rotlicht"

Ihre Erlebnisse hat Nora in einem Buch aufgeschrieben, unter dem Titel Rotlicht. Die meisten Erlebnisse sind leider so trostlos wie man es befürchtet: Da sind die beiden Frauen im Bordell, die Nora sich zusammen mit einem Freund für 200 Euro bucht, um mit ihnen über ihre Arbeit zu reden. Ihr Männerbild ist erschütternd: Ein guter Mann ist ein Mann, der keine Frauen schlägt. Solche Sätze sind das Ergebnis jahrelanger Erfahrungen.

"Es muss einfach mehr Prostituierte für Frauen geben."
Nora Bossong, Autorin des Buches "Rotlicht"

Männer scheinen ohnehin für sich das Recht in Anspruch zu nehmen, immer und überall an Sex kommen zu können. Da ist dieser Kunde im Swinger-Club, der pseudo-reflektiert darüber spricht, dass es ja in Wirklichkeit um Menschen geht. Im nächsten Moment befiehlt er einer Dame: Jetzt aber ab auf die Matte!

"Ich bin mir nicht sicher, was eine gute Lösung ist - Prostitution erlauben oder verbieten."
Nora Bossong, Autorin des Buches "Rotlicht"

Es gibt nur ganz wenige Momente, in denen Nora tatsächlich so etwas wie Berührbarkeit oder sogar Lust erlebt. In Eine Stunde Talk erzählt sie von ihren Grenzerfahrungen, wie sich ihre Haltung zur Prostitution verändert hat und was sie als einzige angezogene Frau im Sex-Kino erlebt hat.

Nora Bossong: "Rotlicht. Wo sich Geld und Lust begegnen." Das Buch erscheint am 20.02.2017 im Carl-Hanser-Verlag, 240 Seiten.