Langes Joggen und Abrackern im Fitnessstudio muss nicht sein. Im Kampf gegen die Pfunde und für einen Muskelaufbau verspricht die Elektrische Muskelstimulation ein weitaus weniger anstrengendes und zeitintensives Training. Klingt gut, aber bringt das wirklich was? Suzan Bazarkaya hat für uns den Test gemacht.

Ein Laden in Köln mit breiter Glasfront. An den Scheiben steht "EMS-Training - Elektrische Muskelstimulation“. Keine Hanteln, kein Laufband, keine Menschen mit hochroten Köpfen zu sehen - dafür eine Frau in einem eng anliegenden, schwarzen Ganzkörperanzug: Die Arme und Oberkörper weit nach vorne gelehnt, den Po nach hinten und unten gestreckt. Als würde sie sich grad aufs Klo setzen wollen.

"Nur einmal pro Woche 20 Minuten sollen reichen, um mich fit, schlank und stark zumachen. Eine Sitzung kostet etwa 20 Euro. Macht 80 Euro im Monat."
Suzan Bazarkaya, Dradio-Wissen-Reporterin

Klingt vielversprechend und so steht Suzan kurze Zeit später ebenfalls in einer Art Dixieklo-Haltung. Neben ihr gibt Personaltrainer Raphael Nemethi eine Einweisung: "Du hast einen kompletten Anzug, da ist eine Hose mit unten dran, da sind Elektroden eingearbeitet für alle großen Muskelgruppen.“ Stromstöße sollen den Muskeln einen Impuls geben, sich anzuspannen. Erst brizzelt es und fühlt sich so an wie ein Vibrationsalarm vom Handy und als die Stromstöße intensiver werden.

"Aaah, das ist zu stark! Wie so'n Weidezaun.“
Suzan Bazarkaya, Dradio-Wissen-Reporterin

Nachdem sich der Körper daran gewöhnt hat, kommen verschiedenen Übungen dazu. Durch den Stromimpuls wird ein Widerstand erzeugt, gegen den der Muskel arbeitet. So kann ein Trainingseffekt erreicht werden, auch ohne, dass man Gewichte stemmen muss.

Gefährliche Stromstöße?

Wer einen Herzschrittmacher hat, darf grundsätzlich kein EMS machen. Und auch wer erkältet ist, sollte seinen Herzmuskel nicht überfordern. Ein Check-up beim Arzt sollte Pflicht sein. Wichtig ist vor allem, dass man langsam und vorsichtig trainiert, rät Michael Behringer von der Sporthochschule Köln.

"Wenn ich langsam da rangehe, langsam diese Belastung steigere, dann haben wir einen Schutz. Nach einer intensiven Trainingseinheit sind wir bei der nächsten Einheit schon geschützt. Das bedeutet, dass wir die Nieren auch deutlich weniger belasten."
Dr. Michael Behringer, Sporthochschule Köln.

Zwar können wir mit dem EMS-Training Erfolge feiern, aber die Erfolge, wie sie uns die Werbung verkauft, lassen sich häufig nicht belegen: "Wir müssten uns viel, viel länger abrackern mit normalen Trainingsgeräten, um einen vergleichbaren Trainingserfolg zu erzielen“, sagt Michael Behringer. Und auch Personaltrainer Raphael empfiehlt ein umfassendes Trainingsprogramm in Kombination mit Stretching, Krafttraining, Ausdauersport und Ernährungsumstellung. Alles andere wäre ja auch zu schön gewesen.