Der ehemalige englische Fußballspieler Andy Woodward hat mit seinen Berichten über Missbrauch die Öffentlichkeit erschüttert. Jetzt werfen auch weitere Spieler ihren Jugendtrainern vor, sie sexuell missbraucht zu haben.

Vor einem Millionenpublikum im englischen Fernsehen hat der ehemaliger Fußballprofi Andy Woodward sein Schweigen gebrochen: In einer Talkshow erzählte der 43-Jährige, dass er als Jugendspieler von seinem damaligen Trainer sexuell missbraucht worden sei. Nach der Sendung meldeten sich weitere Fußballspieler mit ähnlichen Geschichten.

"Seine Hände waren überall. Er griff in meine Hose. Später wurde es schlimmer, in seinem Schlafzimmer. Es kam zur Penetration... solche Dinge. Ich war neun Jahre alt."
Andy Woodward, ehemaliger Fußballspieler in der BBC

Der Fußballspieler sagt, er habe 30 Jahre gebraucht, um mit den Erlebnissen klarzukommen und den Schritt an die Öffentlichkeit machen zu können. Die Missbrauchsvorwürfe erschüttern den gesamten englischen Fußball. Der Mann, den Woodward des Missbrauchs beschuldigt, heißt Barry Bennell. Er hat im Laufe seiner Karriere für viele Jugendvereine als Trainer gearbeitet. Bennell war bereits früher wegen ähnlicher Delikte verurteilt worden.

"Der eine, der da beschuldigt wurde, saß ja schon mehrmals im Gefängnis. Manche Sachen sind sicherlich schon verjährt, aber mit Sicherheit wird es da auch noch weitere Konsequenzen geben."
Matthias Friebe, Sport-Redakteur

Der Missbrauchs-Skandal ist inzwischen noch größer geworden. Mehrere Vereine im strukturschwachen Norden Englands sind betroffen. Es geht auch nicht nur um Barry Bennell, sondern mehrere ehemalige Jugendtrainer werden beschuldigt, Kinder und Jugendliche sexuell missbraucht zu haben. Inzwischen gibt es Experten, die vermuten, dass das ganze Land betroffen sein könnte. Beim Kinderschutzbund haben sich mittlerweile an die hundert Spieler gemeldet, die über ähnliche Erlebnisse wie Andy Woodward berichten. Der englische Fußballverband hat jetzt angekündigt, die Vorwürfe mithilfe eines unabhängigen Experten zu untersuchen. Die Polizei ermittelt aktuell gegen 17 Personen.