"Wir sehen uns im Paradies", schrieben die 15-jährige Sabine und ihre Freundin Samra an ihre Eltern, bevor sie spurlos nach Syrien verschwanden. Ahmed C. ist in Ennepetal geboren und liebte Fußball - bevor er sich als Selbstmordattentäter in Bagdad in die Luft sprengte. Über 550 deutsche Dschihadisten - der Jüngste von ihnen 13 Jahre alt - sind bislang in Richtung Kriegsgebiet ausgereist.

Die Religionslehrerin Lamya Kaddor hat mit solchen jungen Dschihadisten gesprochen. Vor deren Abreise in den Kampf - und mit einigen, die noch leben, auch danach.

Was hat sie bewogen, sich diesem Lebensziel zu widmen und allen anderen Zielen, die sie vorher hatten, Adieu zu sagen? Wie konnten sie unserer Bildungs- und Zivilgesellschaft entweichen und zu "Barbaren" werden, die voller Stolz die Köpfe ihrer getöteten Gegner auf Internetvideos in die Kamera halten? Was machen Eltern, Angehörige und Lehrer falsch?

"Da kommen plötzlich so 16-jährige, die ihren Eltern sagen: 'Mama, Papa - Ihr betet falsch. Ist euch das schon mal aufgefallen? Wenn Ihr so weiter betet, kommt Ihr in die Hölle!'

Lamya Kaddor ist diesem noch jungen Phänomen aus wissenschaftlicher wie persönlicher Sicht nachgegangen. Sie wurde 1978 in Ahlen in Westfalen geboren - als Tochter syrischer Einwanderer. 2003 schloss sie ihr Magisterstudium der Arabistik und Islamwissenschaft sowie der Erziehungswissenschaft und Komparatistik in Münster ab. Aktuell beschäftigt sie sich mit dem Leben muslimischer Schüler in Deutschland.Ihr Buch trägt den Titel: "Zum Töten bereit. Warum deutsche Jugendliche in den Dschihad ziehen". Unter dieser Überschrift hat sie auch ihren Vortrag am Einstein-Forum Potsdam am 22.6.2015 gehalten.