Es ist ein Alptraum: Du sitzt in der Prüfung, und alles, was du gelernt hast, ist weg. Blackout. Forscher haben herausgefunden, dass das, anders als vermutet, nicht am Stress liegt, sondern mit der falschen Lernmethode zusammenhängt.

Sogenanntes Bulimie-Lernen führe nach dieser Einschätzung am ehesten zum Komplettausfall. Im Fachmagazin Science beschreiben Forscher aus dem US-Bundesstaat Massachusetts ein Experiment, mit dem sie herausgefunden haben wollen, dass es deutlich effektiver ist, in Portionen zu lernen und - besonders wichtig - sich zwischendurch abfragen zu lassen oder Zwischentests zu machen.

In kleinen Portionen lernen

An der Studie nahmen 120 Personen teil, die in zwei Gruppen eingeteilt wurden. Alle hatten die Aufgabe, sich 30 Wörter und 30 Bilder auf einem Computer-Bildschirm zu merken, an die sie sich am nächsten Tag erinnern sollten.

Die erste Gruppe bekam die Wörter und Bilder jeweils mit kurzen Pausen dazwischen mehrfach zu sehen. Die Teilnehmer in der zweiten Gruppe sollten nach der ersten Einblendung die gleichen Wörter und Bilder aus dem Gedächtnis in den Computer eingeben - so viele wie möglich. Nach der zweiten Einblendung sollten sie sich an die Wörter und Bilder erinnern. Bei ihnen wurde das Gelernte also schon vor der Prüfung abgefragt.

Am nächsten Tag folgte dann die Prüfung. Die beiden Gruppen wurden in einem der Testläufe kurz vor der Prüfung künstlich gestresst, indem sie zum Beispiel unter Zeitdruck Kopfrechnen mussten.

Stressresiststenz bei Abfrage-Lernern

Das Ergebnis war, dass sich die Prüflinge mit der Abfrage-Lernstrategie sogar unter Stress besser erinnern konnten, als die "Bulimie-Lerner". Sie konnten sich im Schnitt 11 von 30 Wort-Bild-Paaren merken, während die anderen nicht mal auf 9 Wort-Bild-Paare kamen.

Das Lernen durch wiederholtes Erinnern ist somit nicht nur zuverlässiger, laut den Forschern schützt es sogar bei Stress vor Gedächtnisproblemen.

Erklärt wird das so: Das aktive Sich-Erinnern sorgt dafür, dass sich der Lernstoff im Gehirn besser verfestigt. Im Gehirn wird jedes Mal eine Gedächtnisspur angelegt, wenn man versucht, das Gelernte wieder abzurufen. Dadurch hat man im Ernstfall der Prüfung mehrere Möglichkeiten, auf die gespeicherten Inhalte zuzugreifen. Das können wir uns vorstellen, wie bei einem Computer. An unterschiedlichen Stellen haben wir Verknüpfungen zu dem selben Programm. Die Verknüpfungen auf dem Desktop oder im Startmenü machen es leichter und schneller, das Programm aufzurufen.