Das war eine mediale Aufregung: Sex-Mob in der Silvesternacht in Frankfurt! Jetzt muss es allerdings kleinlaut heißen: Ach, nee, doch nicht. Die zwei vermeintlichen Augenzeugen haben sich Gewalt, Diebstähle und sexuelle Übergriffe offenbar ausgedacht.

900 Flüchtlinge sollen in der Frankfurter Freßgass randaliert haben. Die meisten von ihnen sollen betrunken und aggressiv gewesen sein. Sie sollen gestohlen und Frauen belästigt haben. Ein Wirt gab sich als Augenzeuge von diesen Zuständen aus, eine Kellnerin berichtete, sie selbst sei Opfer sexueller Übergriffe geworden. Arabisch und nordafrikanisch aussehende Männer hätten ihr unter den Rock gefasst, zwischen die Beine und an die Brüste.

"Es hat sich jetzt auch noch rausgestellt dass die Hauptzeugin, die Kellnerin, der man angeblich zwischen die Beine und an die Brüste gefasst hatte, über Silvester nicht einmal in Frankfurt, sondern in Belgrad gewesen sein soll."
Martina Schulte, DRadio Wissen

Das Bildblog dokumentiert die Berichterstattung: "Bild füttert rechte Hetzer mit Sex-Mob-Gerücht".

Journalisten der Frankfurter Lokalpresse und die Polizei haben recherchiert: Diese Frankfurter Silvesternacht ist eine fette Lügengeschichte. Trotzdem wurde sie von der Bild-Zeitung, dem Sat-1-Frühstücksfernsehen, dem englischen Boulevardblatt Express und diversen rechten Medien aufgegriffen und verbreitet. Die Bild-Zeitung hat sich zumindest inzwischen in diesem Fall entschuldigt.

Was in der Frankfurter Silvesternacht tatsächlich passiert ist: Es gab Schlägereien, in die ein Georgier und ein Deutscher verwickelt waren. "Also bei genauerer Recherche bleibt von dem 'marodierenden Migranten-Mob' nichts übrig", stellt DRadio-Wissen-Reporterin Martina Schulte fest.

Die Staatsanwaltschaft Frankfurt ermittelt nun gegen die beiden angeblichen Tatzeugen. Der Vorwurf: Vortäuschen einer Straftat.

"Viele Menschen wird das nicht überzeugen, dass es den Sex-Mob nie gegeben hat."
Martina Schulte, DRadio Wissen

Von den "Köln ähnlichen Szenen" in Frankfurt bleibt nichts mehr übrig. Die Geschichte ist trotzdem in der Welt, auch wenn sich der Bild-Chefredakteur für die Berichterstattung seiner Zeitung entschuldigt hat. Bisher haben Lokalpolitiker mehr Videoüberwachung und ein härteres Durchgreifen gefordert und das Netz, Facebook, Twitter, sind voll von wütenden Kommentaren.

Was bleibt, ist, wie die FAZ berichtet, ein Sex-Mob, den keiner gesehen hat.