Seit rund 20 Jahren wird in Argentinien Soja angebaut, für das wirtschaftlich gebeutelte Land sollte die global nachgefragte Bohne als Futterpflanze und Treibstoff zum Exportschlager werden - nach den USA und Brasilien ist Argentinien das drittgrößte Soja-Anbaugebiet. Heute ist die gesamte Anbaufläche von Gen-Soja in Argentinien halb so groß wie Deutschland.

Anders als bei uns ist der Anbau der gentechnisch veränderten Sojapflanze in Argentinien keine Frage, nahezu 100 Prozent sind Gen-Soja. Marktführer für gentechnisch verändertes Sojasaatgut ist Monsanto. Das US-amerikanische Unternehmen liefert aber nicht nur die genveränderte Saat, sondern auch gleich das passende Herbizid dafür: "Roundup" - ein glyphosathaltiges Pflanzenschutzmittel. Das Fatale an dem Einsatz von "Roundup" - die Schädlinge werden resistent und die Bauern müssen immer mehr davon einsetzen.

Gesundheitsschädigendes Glyphosat

Umweltschützer in Deutschland warnen vor "Roundup", das schon mancher Kleingärtner im Übereifer zur Unkrautvernichtung hemdsärmelig in seinem Garten verteilte. Wissenschaftler führen beispielsweise die zunehmenden Erkrankungen an Zöliakie, Fortpflanzungsprobleme, Schilddrüsen- und Krebserkrankungen oder Nierenversagen auf das Pflanzenschutzmittel Roundup zurück.

Anbaufläche halb so groß wie Deutschland

In San Salvador, 400 Kilometer nördlich von Buenos Aires, einem Gen-Soja-Anbaugebiet im Nordwesten Argentiniens, machen Aktivisten mobil gegen die Besprühung der Felder. Die Anbaufläche ist fast so groß wie das Stadtgebiet von München. "Todos por Todos" nennt sich die Aktionsgruppe, die auf die überdurchschnittlich hohe Krebsrate in dem Gebiet aufmerksam machen.

Andrea Kloster, Aktionsgruppe "Todos por Todos"
"Hier ist ein junger Mann an Leukämie gestorben, 40 Jahre alt, und hier ein junges Mädchen, 21, an Knochenkrebs, sie hatte zwei Kinder. Dort gegenüber wohnt eine junge Frau mit Krebs in beiden Brüsten und da drüben ist ein Junge gestorben an Leukämie, 14, 15 Jahre alt."

Im Schnitt stirbt in Argentinien jeder Fünfte an Krebs, in San Salvador ist es jeder Zweite. Offizielle Statistiken über die Krebsrate in San Salvador gibt es nicht. Doch Andrea Kloster und ihre Nachbarn haben vor ein paar Jahren begonnen, selbst Buch über die Todesfälle zu führen: Allein 21 Krebstote im letzten Jahr. Was die Aktionsgruppe rund um Andrea Kloster vor allem beunruhigt, ist, dass die Opfer immer jünger werden.

"Es ist ja noch nichts bewiesen, aber dort gibt es eine Reihe an Krebsfällen, die besorgniserregend ist. Besonders viele Kinder und Jugendliche sind dort krank."
Moritz Pompl, ARD-Korrespondent

Gegenüber Moritz Pompl äußerten Wissenschaftler und Ärzte, dass sie die Daten aus den Soja-Anbaugebieten sammeln werden, um eigene valide Daten zu erhalten, solange die Behörden nicht in der Lage sind, eine offizielles Krebsregister aufzubauen.

​Reportage des ARD-Korrespondenten Moritz Pompl aus San Salvador
"Wird Argentinien krebskrank wegen Gen-Soja?"

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