Pinke Rasierer für Damen sind teurer als die blaue Variante für ihn. Ein Skandal? Marketing. Und ihr könnt etwas dagegen tun.

Weltfrauentag und leider geht es da wie jedes Jahr auch um die Benachteiligung von Frauen - im Job, in der Politik und auch im Drogeriemarkt oder beim Friseur, wenn sie für identische Leistungen oder Produkte mehr abdrücken soll als er. Die Verbraucherzentrale Hamburg hat das jetzt noch einmal bestätigt. Ein Skandal? Alles halb so schlimm, sagt Nina Scharwenka. Sie ist Partnerin der globalen Marketing- und Vertriebsberatung Simon-Kucher & Partners - und Expertin für Preisgestaltung.

Fangen wir mit dem Paradebeispiel an. Dem Rasierer: Warum steigt der Preis, wenn das Gerät rosa ist und statt übers Kinn über die Beine gezogen wird? Es geht um Differenzierung des Preises und nicht um Diskriminierung, sagt Nina Scharwenka. Das heißt: Für die gleiche Leistung werden unterschiedliche Preise gefordert.

Oft spielt hier Zeit und Ort eine Rolle. Wenn zum Beispiel die Preise für ein Hotelzimmer in München während des Oktoberfestes ansteigen. Beim Rasierer werden dagegen gesellschaftliche Stereotype ausgenutzt. Weil sie eher zum Rosa-Rasierer greift und er eher blau oder silber in den Einkaufskorb legt. Eine Form der Selbstselektion, sagt Nina Scharwenka. Denn eigentlich haben beide Geschlechter die freie Wahl, welches Produkt sie kaufen.

"Bei den Rasierern wird ausgenutzt, dass Pink suggeriert, dass es ein Produkt für die Frau ist."
Nina Scharwenka, Partnerin der globalen Marketing- und Vertriebsberatung Simon-Kucher & Partners - und Expertin für Preisgestaltung

Bei anderen Produkten ist es dagegen gar nicht so einfach, eine unterschiedliche Preispolitik auszumachen, erzählt Nina Scharwenka, die eine Studie zum Thema Gender Pricing durchgeführt hat. Ihr Fazit: Das Phänomen ist eher eine Randerscheinung. So unterschieden sich zum Beispiel die Preise für Poloshirts für Männer oder Frauen nur unwesentlich.

Nach ihrer Recherche hat Nina Scharwenka zumindest eine Vermutung, warum Frauen bei einzelnen Produkten mehr zur Kasse gebeten werden. Vielleicht haben Frauen einfach eine andere Zahlungsbereitschaft für Produkte, die etwas mit Körperpflege und mit dem gesamten Thema Schönheit zu tun haben.

Das Optimierungsproblem

Auf Seiten der Unternehmen geht es bei der Preisgestaltung vor allem darum, eine möglichst hohe Menge zu einem möglichst hohen Preis abzusetzen, erklärt Nina Scharwenka. Das Problem dabei: Je höher der Preis, desto weniger können Unternehmen verkaufen. Marketing-Experten sprechen von einem Optimierungsproblem. Und um das zu lösen, haben sie verschiedene Strategien entwickelt. Am besten sei es dabei, sich so stark wie möglich am Konsumenten zu orientieren. Das Unternehmen muss also genau verstehen, wie viel der Kunde bereit ist, für ein Produkt zu bezahlen und warum. Hier kommt die Marktforschung ins Spiel.

Für die Unternehmen ist das alles sehr kompliziert - für euch ist die Lösung dagegen ganz einfach: Macht bei dem Spiel nicht mehr mit. Wenn Frauen keine pinken Rasierer mehr kaufen, verschwinden sie ganz schnell aus dem Drogeriemarkt - oder die Preise sinken.