Google hat Großes vor: Internet für Indien. Los geht’s in Mumbai: Der Bahnhof mit über sieben Millionen Fahrgästen am Tag kriegt öffentliches WLAN - kostenlos.

60 Prozent der Menschen in Schwellen- und Entwicklungsländern sind offline - das hat eine Studie der Weltbank ergeben. Zwischen Google, Facebook & Co. tobt ein Wettrennen: Wer kann den Menschen schneller den Zugang zum Internet ermöglichen?

Los geht’s in Mumbai: Der Bahnhof mit über sieben Millionen Fahrgästen am Tag kriegt öffentliches WLAN - kostenlos. Und das ist erst der Anfang: Insgesamt will Google 400 indische Bahnhöfe mit einem kostenlosen Netzzugang ausstatten. Konkurrent Facebook will auch etwas vom Kuchen abhaben, droht aber zu scheitern.

"Indien ist der Zugang zu einem der am schnellsten wachsenden Märkte, zwei Drittel der Menschen dort haben noch kein Internet."
Donya Farahani, DRadio Wissen

Das wären rund eine Milliarde mehr und vor allem neue Kunden für Google - für die Suchmaschine, für Gmail und und und.

Nicht aus Nächstenliebe

Am Anfang ist der Service kostenlos, langfristig soll sich das ändern, schreibt Sundar Pichai, CEO von Google im offiziellen Google Blog. Das Projekt soll sich selbst tragen. Wie genau, wird nicht beschrieben. Es ist - auch für Google - eine große Herausforderung, bei so vielen Menschen, die versprochene Verfügbarkeit und Geschwindigkeit einzuhalten.

Vor allem Google und Facebook investieren viel zum Beispiel in solarbetriebene Drohnen und Hightech-Ballons, die Menschen in abgelegenen Regionen Zugang zum Internet verschaffen.

Facebook kämpft an gleicher Front

Googles Konkurrent Facebook fährt ebenfalls ein großes Programm, um Indien und andere Länder ans Netz anzustöpseln. Der Vorstoß wurde aber von der Telekommunikations-Aufsichtsbehörde gestoppt. Das Angebot heißt "Free Basics", früher wurde es "Internet.org" genannt.

"Free Basics ist eine App, mit der man kostenlos ins Netz kann. Die Nutzung der App belastet das Datenvolumen nicht, du brauchst nicht mal einen Vertrag."
Donya Farahani, DRadio Wissen

Auf der Webseite steht, dass das Programm in mehr als 35 Ländern läuft. Und dass dadurch mehr als 15 Millionen Menschen online sind, die sich das sonst nicht leisten könnten.

Die Telekommunikations-Aufsichtsbehörde sagt aber, das Angebot verstoße gegen das Prinzip der Netzneutralität. Free Basics stellt das Netz abgespeckt zur Verfügung: 37 Seiten sind kostenlos - außerdem Facebook natürlich. Kein Google, dafür Microsoft Bing.

Facebook-App von Aufsichtsbehörde gestoppt

Wer die App runtergeladen hat, kann also ein paar Seiten und Dienste nutzen, aber nicht alle. Facebook entscheidet, welche. Das ist ganz schön viel Macht. Netzneutralität heißt ja: Alle Daten im Netz werden gleich behandelt. In Indien sind deshalb auch Tausende Menschen gegen die Facebook-App auf die Straße gegangen, um dagegen zu protestieren. Denn viele sehen sie als innovationsschädlich an: Weil kleine Unternehmen dadurch große Schwierigkeiten bekommen, neue Nutzer zu erreichen. Und die Großen werden immer größer.

Zuckerberg schaltet sich ein

Facebook wehrt sich - und macht ordentlich Werbung für Free Basics. Überall hängen Plakate und Anzeigen. Facebook verspricht, dass 65 Millionen neue Arbeitsplätze geschaffen werden. Sogar Facebook-Chef Mark Zuckerberg schaltet sich ein: Er hat einen Artikel in der der Zeitung "Times of India" geschrieben, um das Projekt zu retten: Free Basics sei besser als nichts. Wie eine Bibliothek, die zwar nicht alle Bücher hat, aber trotzdem Wissen vermittelt.

"Wenn die Menschen Zugang zum Internet haben, haben sie auch Zugang zu Jobs, Bildung, Gesundheitspflege, Kommunikation"
Mark Zuckerberg, CEO Facebook

Mit Free Basics hat Facebook nicht nur Stress in Indien. Nach dem Ärger dort hat auch Ägypten die App verboten - zunächst vorübergehend. In Indien soll sich Ende Januar, Anfang Februar entscheiden, ob es Free Basics geben wird oder nicht.