Die Illustratorin Paula Bulling zeichnet die Realität in Flüchtlingsheimen oder die Situation der Sinti und Roma in Europa. Sie wirft dabei einen besonderen Blick auf das Leben der Anderen.

"Im Land der Frühaufsteher" - so heißt der Slogan von Sachsen Anhalt und genauso heißt auch die erste Graphic Novel von Paula Bulling, die sich mit Flüchtlingsheimen in Sachsen-Anhalt beschäftigt, genauer gesagt mit den Lebensumständen von Menschen, die in Deutschland Asyl suchen. Paula selber sagt darüber: "Es ist sogar noch schlimmer, als ich es gezeichnet habe."

"In meiner Arbeit an Comics gibt es das allgemeine Beobachten und das gezielte Recherchieren."

Flüchtlingskosmos

Über eine Organisation, die sich in Deutschland für Flüchtlinge einsetzt, nimmt Paula an einer Heimbegehung teil. Ein Heim, das in abgelegenen Baracken in Katzhütte untergebracht ist. Sie ist geschockt von dieser Welt, die den meisten Menschen verborgen bleibt.

"Isolierte Orte, die abgelegen sind und wo es keine Verkehrsanbindung gibt. - Die hygienischen Bedingungen, die medizinische Versorgung sind echt schlecht."

Dort lernt sie auch den Filmemacher Maman Salissou Oumarou kennen. Über ihn bekommt sie auch Kontakt zu anderen Flüchtlingen und die Möglichkeit, immer wieder in verschiedene Heime in Sachsen-Anhalt zu blicken - Halberstadt, Möhlau oder Bernburg. Sie fängt an, ihre Erfahrungen in den Heimen zu zeichnen. Und irgendwann steht der Plan fest, ein Buch daraus zu machen.

Der Blick auf die Anderen

Die Graphic Novel entstand noch während ihres Studiums. Ein Jahr nach ihrem Abschluss wurde er veröffentlicht. Das war 2012. Mittlerweile ist Paula Bulling gefragte Illustratorin. Sie zeichnet für das SZ-Magazin und für die Bundeszentrale für Politische Bildung hat sie ein Dossier über die aktuelle Situation der Sinti und Roma in Europa illustriert. Eine Frage, mit der sich Paula in ihren Arbeiten immer wieder beschäftigt ist der Blick, den sie als weiße, deutsche Zeichnerin auf Flüchtlinge aus Syrien oder Afrika oder eben auf Sinti und Roma hat.

Paula Bulling an ihrem Schreibtisch mit einem Pinsel in der Hand.
© dpa
Paula Bulling zeichnet an ihrem Schreibtisch in Berlin-Neukölln.

Illustratorin und Comic-Zeichnerin

Paula Bulling wurde 1986 in Berlin geboren. 2006 bis 2011 hat sie an der Hochschule für Kunst und Design in Halle an der Saale studiert. Zunächst Keramik, später dann Kommunikationsdesign bei Georg Barber, der unter dem Künstlernamen ATAK bekannt ist. Paula findet, dass man durch das Zeichnen ziemlich gut Menschen zusammenbringen kann, die eigentlich keine gemeinsame Sprache sprechen. Im Sommer 2014 hat sie das wieder bei einem Projekt in Basel gemerkt. Dort hat sie direkt neben einem Erstaufnahmelager für Flüchtlinge Zeichenkurse angeboten.

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