Ein Filter soll minderjährige Briten künftig vor Pornoseiten schützen. Experten sind skeptisch, dass das funktioniert. Und auch sonst sind die Pläne heftig umstritten.

Wer in Großbritannien einen Internetzugang haben will, der muss erst einmal verbindlich erklären, welche Breitbandfilter er vorschalten lassen möchte. So können Briten zum Beispiel alles blockieren, was mit Filesharing zu tun hat oder auch mit Partnervermittlung. Auch Filter gegen Waffen und Gewalt, Glücksspiel oder Drogen gibt es.

Die Regierung des früheren Premierministers David Cameron hatte diese Filter durchgesetzt. Doch jetzt geht London noch einen Schritt weiter: In den nächsten Tagen soll das Parlament einen Gesetzeszusatz beschließen, der Provider verpflichtet, Pornoseiten zu sperren. Und das hat natürlich Konfliktpotenzial. Ein Drittel des gesamten Internet-Traffics wird durch Pornoseiten generiert. Pornoseiten sind also die meistbesuchten Seiten im Netz - auch wenn sie in Suchmaschinen teilweise gar nicht zu finden sind.

Bei den geplanten Sperren geht es vor allem um Kinder- und Jugendschutz. Wenn die Pornoanbieter nicht ausreichend dafür sorgen, dass Pornoinhalte von Kindern nicht einsehbar sind, dann kann die Aufsichtsbehörde von den Providern verlangen, diese zu blocken. Das gilt übrigens nicht nur für britische Pornoseiten, sondern auch für Seiten aus dem Ausland.

"Wenn die Pornoanbieter nicht ausreichend dafür sorgen, dass Pornoinhalte von Kindern nicht einsehbar sind, dann kann die britische Aufsichtsbehörde von den Providern verlangen, dass diese geblockt werden."
Netzautor Andreas Noll

Durchsetzen wollen die Briten das mit einem Filter, der diese Seiten von Großbritannien aus nicht mehr erreichbar macht, zum anderen aber auch mit Strafen. Wer keine adäquate Altersverifizierung anbietet, der muss mit hohen Geldstrafen rechnen. Und wenn diese Unternehmen im Ausland nicht zu packen sind, dann soll verhindert werden, dass Abogebühren von britischen Kunden an diese Unternehmen transferiert werden können.

Die Reaktionen auf diese Pläne fallen geteilt aus. Zum einen begrüßen natürlich viele den Schutz der Kinder vor pornografischem Content. Studien haben ergeben, dass sich mehr als die Hälfte der 11- bis 16-Jährigen in Großbritannien schon Pornos im Netz angeguckt haben. Zum anderen ist die Sperre aber auch eine Form der Zensur. Die Kritiker sehen das Vereinigte Königreich in einer Reihe mit Ländern wie der Türkei oder Saudi-Arabien, die ihren Bürgern auch Inhalte im Netz vorenthalten.

Auch der Datenschutz ist ein Problem

Und auch der Datenschutz ist ein Problem: Denn ein funktionierender Altersnachweis ist sicher nicht das, was wir derzeit von Pornoseiten kennen. Es geht also um wirksameren Schutz als einmal "ja, ich bin über 18" anzuklicken. In der britischen Variante soll der Altersnachweis per Kreditkarte erfolgen. Das Problem dabei: Die Infos könnten zwar verschlüsselt übertragen werden, aber auch das bietet keine Gewähr, dass die Daten in guten Händen landen.

Und dann stellt sich natürlich noch die Frage, ob eine Sperre überhaupt wirksam ist. Die Digitalbranche ist skeptisch. Jugendliche würden Wege finden, um sie zu umgehen. Bislang sind die Erfahrungen jedenfalls ernüchternd. Denn schon seit zwei Jahren werden Provider in Großbritannien angehalten, Pornoseiten herausfiltern und so lange zu blockieren, bis der Nutzer aktiv erklärt, auch solche Inhalte konsumieren zu wollen. Sperren, die die Europäische Union vor einem Jahr übrigens für illegal erklärt hat und die bislang nur auf freiwilliger Basis von den Providern eingesetzt werden dürfen. Aber: Großbritannien hat eine Tradition der Internetsperren. So mussten Provider vor drei Jahren den Zugang zu beliebten Filesharing-Plattformen blockieren