Die türkische Regierung macht den Prediger Fetullah Gülen für den Putschversuch im Juli 2016 verantwortlich. Die ihm nahe stehenden Privatschulen geraten deswegen auch in Deutschland unter Druck.

Fetullah Gülen ist das Oberhaupt der Gülen-Bewegung, die auf der ganzen Welt aktiv ist. Die türkische Regierung macht ihn und seine Bewegung für den Putschversuch im Juli 2016 verantwortlich. Das betrifft auch Schulen und Vereine in Deutschland.

Rund 100.000 Anhänger der Gülen-Bewegung gibt es in Deutschland. Dazu zählen unter anderem 300 Vereine und 24 Privatschulen. Bei manchen Einrichtungen kam es zu Körperverletzungen und Sachbeschädigungen. Kurz nach dem Putsch wurden einige der Gülen-Privatschulen unter Polizeischutz gestellt.

Von 180 Schülern wurden 40 abgemeldet

Manche Eltern, die sich politisch unter Druck gesetzt fühlten - auch weil eine türkische Tageszeitung zur Denunziation von Gülen-Anhängern aufgerufen hatte - meldeten ihre Kinder von den Gülen-nahen Privatschulen ab. Zeitweilig gab es Schulen, an denen von insgesamt 180 Schülern 40 abgemeldet wurden.

Inzwischen soll die Zahl der Abmeldungen wieder rückläufig sein, sagt die zentrale Gülen-Institution "Stiftung Dialog und Bildung" in Berlin. Es gebe jetzt sogar mehr Anmeldungen - darunter auch von deutschen Eltern.

"An den Lehrinhalten ist nicht erkennbar, dass es sich um Privatschulen eines türkischen Predigers handelt."
Kemal Hür, Deutschlandradio-Landesstudio Berlin

Eine religiöse Beeinflussung findet laut Kemal Hür, Deutschlandradio-Landesstudio Berlin, in den Schulen nicht statt - dafür aber in den sogenannten Lichthäusern. Das sind private Internate, in denen Kinder und Jugendliche Gülens Weltanschauung lernen.

Experten und Kritiker werfen Gülen vor, sektenartig zu agieren, Eliten heranzubilden, die seine türkisch-islamische Ideologie verinnerlichen. Diese sollen später staatliche Institutionen unterwandern, um Einfluss zu gewinnen.

"Die Gülen-Bewegung sollte ihre Opferrolle nicht zu Propagandazwecken nutzen. Sie ist eine türkisch-nationalistische-islamische Bewegung und muss kritisch betrachtet werden."
Kemal Hür, Deutschlandradio-Landesstudio Berlin

Das ist in der Türkei Jahrzehnte lang tatsächlich so geschehen - auch mit Unterstützung des heutigen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdoğan. Nach dem Putschversuch im Juli 2016 wurden mehr als 70.000 Personen suspendiert. Ob sie alle tatsächlich Gülen-Anhänger waren oder nicht, ist nicht nachgewiesen.

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