Wie werden wir gewalttätig oder straffällig? Kommen wir "böse" auf die Welt? Der Psychiater Kolja Schiltz sagt ja, Gehirne von Verbrechern ticken anders.

Ist uns durch unsere biologische Ausstattung vorherbestimmt, ob wir gewalttätig und straffällig werden? Sind Verbrecher etwa nur krank? Sitzt die Quelle ihrer Vergehen im Gehirn? Mit diesen Fragen beschäftigt sich der Psychologe und Neurologe Kolja Schiltz. Philosophisch betrachtet steckt dahinter die Frage, ob wir nach dem freien Willen handeln. In diesem Sinne passt auch das Zitat von Arthur Schopenhauer: "Das Erstaunen, welches zum Philosophieren treibt, entspringt offenbar dem Anblick des Übels und des Bösen in der Welt."

"Wie determiniert ist es denn, dass jemand gewalttätig handelt?"
Kolja Schiltz, Psychologe an der Ludwig-Maximilians-Universität München

Wenn das Hirn so beschaffen oder beschädigt ist, dass einige Menschen leichter kriminell oder gewalttätig werden als andere, dann müsste das im Strafverfahren berücksichtigt werden. Verbrecher würden dann zu Kranken. Kolja Schiltz hat die Insassen von Haftanstalten untersucht, Daten ausgewertet und erkennt einen Zusammenhang zwischen Schädigungen am Hirn und der Neigung zur Gewalt:

"Bei Häftlingen ist es so, dass die Prävalenz gegenüber der Normalbevölkerung erhöht zu sein scheint."
Kolja Schiltz, Psychologe an der Ludwig-Maximilians-Universität München

Welche Hinweise es auf einen solchen Zusammenhang gibt, das hat der Psychiater am 19. September 2016 auf der 119. Generalversammlung der Görres-Gesellschaft in Hildesheim dargelegt. Sein Vortrag heißt: "Hirnbiologische Befunde bei verurteilten Gewalttätern."

"Sich-Verstehen und Sich-Kultivieren: Die Sorge um sich"

Auf dieser Generalversammlung sprach auch Kathrin Wille vom Lehrstuhl für Philosophie der Universität Hildesheim. In ihrem Vortrag "Sich-Verstehen und Sich-Kultivieren: Die Sorge um sich als philosophisches und pädagogisches Thema" bearbeitet sie ihr Erschrecken angesichts der Blüten, die das Selbstmarketing treibt. Coaches und Ratgeber predigen Selbstbeobachtung und Selbstkultivierung - ganz im Sinne der erfolgreichen Selbstvermarktung.

Selbstmarketing extrem

Wir sollen unsere Ichs und unsere Selbsts fit machen für den Wettbewerb, uns rüsten und wappnen gegen Selbstzweifel und Konkurrenz, uns in gute Positionen im neoliberalen Verteilungskampf bringen, uns auf Erfolg trimmen. In den Buchhandlungen gibt es die entsprechenden Sachbücher am laufenden Meter. Kathrin Wille nimmt sich noch einmal die antiken Quellen der Selbstreflexion vor.

"Besondere Aufmerksamkeit kommt dabei der Ethik des gesprochenen Wortes zu, dem freimütigen Sprechen."
Katrin Wille, Philosophin an der Universität Hildesheim

Die Görres-Gesellschaft versammelte auf ihrer Generalversammlung Vertreter der unterschiedlichsten Disziplinen, die den Menschen in das Zentrum ihrer Forschung stellen. Die Gesellschaft will laut Satzung "in Bewahrung ihres im katholischen Glauben wurzelnden Gründungsauftrages wissenschaftliches Leben auf den verschiedenen Fachgebieten anregen und fördern und die Gelegenheit zum interdisziplinären Austausch bieten."