Psychologische Kriegsführung mit Bildern: Vor 100 Jahren wurde das "Bild- und Filmamt" (Bufa) zu diesem Zweck gegründet. Das Amt gibt es nicht mehr - inszenierte Bilder aus Kriegs- oder Krisenregionen aber schon.

Am 30. Januar 1917 wurde auf Wunsch der Obersten Heeresleitung in Berlin das "Bild- und Filmamt" (Bufa) gegründet. Filmsequenzen und Fotos sollten nicht aufklären und den Deutschen die Gräuel des Krieges vermitteln, sondern dem Gemetzel seinen Schrecken nehmen. Es versorgte Zuschauer mit seichter Kost. Sterbende oder vor Panik schreiende Soldaten gab es nicht zu sehen.

"Unterhaltung war ein ganz wichtiges Moment der internen psychologischen Kriegsführung."

Die 450 Mitarbeiter des Bufa produzierten nicht nur eigene Propagandafilme und Fotoserien, sondern zensierten auch alle nach Deutschland eingeführten ausländischen Filme.

Rund 900 Soldatenkinos wurden zudem hinter der Front eingerichtet, um die Soldaten bei Laune zu halten. Gezeigt wurde nicht der tödliche Kriegsalltag, sondern Filme wie der 1917 entstandene Stummfilm "Bei unseren Helden an der Somme". Das Bundesarchiv hat den Film ins Netz gestellt.

Die neue Bilderflut

Bildmaterial wird bis heute instrumentalisiert. Smartphones mit Kameras haben zu einer Bilderflut im Netz geführt. Journalisten und Redaktionen müssen Bildmaterial filtern, aus- und bewerten. Was ist authentisch, was nicht? Und auf was lassen sich Journalisten ein, wenn sie aus Kriegsgebieten berichten?

Außerdem hört ihr in Eine Stunde History:

  • Der Historiker Habbo Knoch spricht über die Anfänge des Bild- und Filmamtes
  • Die RTL-Chefreporterin Ausland Antonia Rados erklärt, warum sie sich nicht in die Obhut des Militärs begibt und in Kriegsregionen lieber auf eigene Faust recherchiert
  • Kai Gniffke, Chef der Tagesschau, erzählt, wie seine Redaktion die Herkunft und Echtheit von unbekanntem Bildmaterial prüft. Hier geht es zum Interview.
  • DRadio Wissen-Geschichtsexperte Matthias von Hellfeld über die Propaganda während des Nationalsozialismus