Die Pet Shop Boys produzieren Elektropop für den Mainstream. Alles oberflächlich und gefällig? Vorsicht! Wer genauer hinhört, entdeckt reflektierte Gesellschaftskommentare.

Seit über 30 Jahren sind die Pet Shop Boys im Musikgeschäft und sind dabei überaus erfolgreich: "West End Girls", "It’s a Sin" oder "Go West" zählen zu ihren großen Hits. Doch Pop von der Stange ist das dennoch nicht.

"In den Pet Shop Boys Songs geht es um gesellschaftliche Fragen, um sozio-kulturelle Rahmenbedingungen der Liebe."
Ralf von Appen, Musikwissenschaftler

Der Musikwissenschaftler Ralf von Appen hat drei Love Songs näher unter die Lupe genommen: "Love is a Bourgeois Construct", "Rent" und "Love etc." Was hat es auf sich mit der Liebe in den Songs der Pet Shop Boys? Warum trägt Sänger Neil Tennant die Texte kühl und fast gefühlslos vor? Wie grenzen sich die Pet Shop Boys gegen alle Formen der Authentizität ab?

"Und dann haben sie sich auch noch als homosexuell geoutet in einer heteronormativ geprägten Popkultur, sodass sie eigentlich Außenseiter in vielerlei Hinsicht waren, die aber immer auf den Mainstream gezielt haben mit ihrer Musik."
Ralf von Appen, Musikwissenschaftler

Von Appen nimmt die Songs auseinander, analysiert die Musik, den Text, den Vortragsstil - und hinterher hört man die Musik der Pet Shop Boys mit ganz neuen Ohren.

"Ironie, Unentschiedenheit, Anti-Authentizität, [...] Uneigentlichkeit, kein unvermittelter Ausdruck - das sind alles typische Merkmale der Postmoderne, deren Kinder die Pet Shop Boys für mich eindeutig sind."
Ralf von Appen, Musikwissenschaftler

Ralf von Appen ist Musikwissenschaftler und forscht an der Justus-Liebig-Universität Gießen. Sein Vortrag hat den Titel "'Love etc.' - Liebe in den Songs der Pet Shop Boys". Er hat ihn am 11. November 2016 auf der Tagung "Herztöne - Inszenierungen der Liebe in der populären Musik" am Einstein Forum in Potsdam gehalten (einen weiteren Vortrag dieser Tagung zum Thema Liebe und Punk gibt es hier).