Das passt so gar nicht zusammen: aggressive, harte Punkmusik und Liebeslieder. Gibt es auch fast nicht. Aber: Auch wenn die Liebe nicht besungen wird, hat der Punk sehr wohl etwas für sie erreicht.

Wie kann das ein Thema sein: Liebe und Punk?

"Punk ist ja eher bekannt für offen ausgelebte Aggression und Provokation, für Grenzüberschreitung und raue, schnelle und wenig lieblich klingende Musik."
Henning Wellmann, Kulturwissenschaftler

Der Kulturwissenschaftler Henning Wellmann hat eine clevere Erklärung: Gerade weil es fast nie um Liebe geht, schafft Punk durch die Abwesenheit dieses Themas einen Freiraum für alle möglichen Formen von Liebe und Beziehungen.

"Wer in der Punkszene von Liebe spricht, hat sicher verdammt schlechte Karten. Wer möchte schon gerne als Peace&Love-Hippie verdächtigt werden? Wer dann ausgerechnet in dieser Szene nach Liebe und Wärme und Zusammenhalt sucht, steht vollends auf verlassenem Posten."
Karl Nagel, Punk aus Hannover, 1989

Das Ideal einer romantischen, heterosexuellen Liebe wird nicht besungen und wird damit auch nicht zur Norm. Dadurch hat sich die Punkbewegung Freiheiten geschaffen für schwule, lesbische und andere Beziehungsformen. Nicht immer und überall, betont Wellmann, aber immerhin hat Punk das klassische Liebesideal immer wieder aufgebrochen.

"Da Punk als ein wesentliches Credo die provokante Verkehrung von allen als bürgerlich wahrgenommenen Konventionen ausgerufen hatte, konnten diejenigen Formen der Liebe und der Sexualität ausgelebt werden, die sonst nicht toleriert wurden."
Henning Wellmann, Kulturwissenschaftler

Henning Wellmann erforscht populäre Musikkulturen, insbesondere Punk. Sein Vortrag hat den Titel "'This is not a Love Song' - (Nicht)Thematisierungen der Liebe im Punk". Er hat diesen Vortrag am 11. November 2016 auf der Tagung "Herztöne - Inszenierungen der Liebe in der populären Musik" des Einstein Forums Potsdam gehalten (einen weiteren Vortrag dieser Tagung zum Thema Liebe in der Pop Musik gibt es hier).

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