Informatiker aus England haben Artikel 100 britische Tageszeitungen aus 150 Jahren analysiert. Mithilfe von 36 Millionen regionalen Zeitungsartikeln konnten sie herausfinden, welche Themen zu welchem Zeitpunkt wichtig waren.

Informatiker aus Bristol haben auf das Archiv der British Library zurückgegriffen, um historische Trends und Entwicklungen anhand von Tageszeitungen zu erforschen. Dazu nutzten sie digitalisierte Artikel aus dem Zeitraum von 1800 bis 1950. Die ausgewertete Datenmenge war sehr groß: insgesamt 36 Millionen Zeitungsartikel flossen in die Analyse mit ein.

"Was so eine Analyse halt gut kann, ist Zeitgeist einfangen und gucken: Wie verbreitet waren damals Einstellungen und Moden und Trends?"
Anne Preger, DRadio Wissen

Durch die häufige Erwähnung eines bestimmten Wortes oder Themas konnten die Forscher unterschiedliche Dinge herausfinden. Die Untersuchung zeigte beispielsweise, wann in der öffentlichen Wahrnehmung in Großbritannien Fußball wichtiger als Kricket wurde: Im Jahr 1909.

Oder, dass die Zeitungen in den 1890ern angefangen haben, regelmäßig über Schauspieler, Sänger und Tänzer zu berichten. Die Analyse förderte zutage, dass das Wort Panik im 19. Jahrhundert in vier Jahren besonders oft geschrieben wurde. Das waren alles Jahre in denen sich eine Bankenkrise ereignet hatte.

Die Forscher haben herausbekommen, dass Züge im 19. Jahrhundert eher in Artikeln aus Städten erwähnt wurden und Pferde eher in ländlichen Regionen, dass aber alles in allem Züge ab 1902 beliebter waren als Pferde und dass ab 1898 öfter über elektrischen Strom als über Dampfmaschinen berichtet wurde.

Die Gewichtung von Mann und Frau in den Medien

Die Forscher haben gezählt, wie oft in Artikeln die Personalpronomen "sie" und "er" und die Worte "Mann" und "Frau" auftreten. Daraus ergab sich, dass Frauen erst im Laufe des 19. Jahrhunderts eine Rolle in den Tageszeitungen spielten.

In einer weiteren Studie haben die Informatiker die damalige Berichterstattung mit den heutigen Medien verglichen und sind zu dem Schluss gekommen: Frauen sind auch heute noch in den Medien genauso unterrepräsentiert wie vor hundert Jahren.

Diese Form der historischen Forschung liefert den Geschichtswissenschaftlern zusätzliche Informationen zu Entwicklungen und Trends der Vergangenheit.

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