Auf die Jagd gehen und Tiere erschießen: Manchen von uns macht das Spaß. Es gilt als Sport oder Hobby und ist - angeblich - Naturschutz. Andere glauben daran, dass sich der Tierbestand auch von alleine reguliert. Sie bezweifeln, dass das Wild wirklich den Wald kaputt beißt. Und dann gibt es auch noch die Stadtjäger, die mit Hilfe von Falken versuchen, Kaninchenplagen in den Griff zu bekommen.

Paulus Müller setzt sich für diese Einhundert das Jägerhütchen auf und geht mit uns auf die Pirsch.

Ein Reh (Capreolus capreolus) steht am 02.09.2014 in der Abenddämmerung an einem Feldweg bei Sehnde in der Region Hannover (Niedersachsen).
© dpa
Rehe schießen

Hanna und das Bambi-Syndrom

Hanna Ender hat als Kind den Kinofilm Bambi unter Tränen verlassen - 30 Jahre später will sie ihr Trauma überwinden und hat einen Jäger begleitet.

"Mama!"
Bambi
"Du brauchst auf deine Mutter nicht mehr zu warten. Die Jäger haben sie...."
Hirsch zu Bambi

Unsere Autorin Hanna Ender ist genau bei dieser Szene im Alter von fünf Jahren in Tränen ausgebrochen und musste an der Hand ihrer Mutter das Kino verlassen. 30 Jahre später will sie ihr Bambi-Trauma überwinden und geht mit einem Jäger auf die Jagd – nach einem Reh.

"Wir versuchen Rehe zu jagen, weil der Bestand ziemlich stark ist in unserer Region."
Ole Niemczik, Jäger

Ole Niemczik hat ein ganz anderes Verhältnis zu Rehen und zur Jagd. Er sagt: "Mein Vater ist Jäger, mein Onkel ist Jäger – ich bin mit der Jagd groß geworden." Er erkennt liegende Rehe auf einem Acker, die Hanna nur mit Mühe mit ihrem Fernglas sieht und er kann die Fährten der Tiere lesen. In seinem Wohnzimmer hängt das Geweih eines Rothirschs, den er mal zusammen mit einem Freund erlegt hat und der ihnen zweieinhalb Kilogramm Wildbret eingebracht hat.

"Man kann dem Alltag entfliehen, seinen Gedanken nachhängen und ist immer hellwach – ein bisschen wie meditieren."
Ole Niemczik, Jäger

Hanna begleitet ihn auf die Jagd, sitzt stundenlang neben ihm auf dem Hochsitz und gibt sich allergrößte Mühe still zu sein - sofern das für eine Reporterin möglich ist. Sie steckt ihre Hände in einen Muff aus Fuchs - von Ole erlegt. Und isst mit großer Begeisterung seine selbst gemachte Wildschweinbratwurst. In Oles Jagdrevier wimmelt es nur so vor Rehen. Eins tatsächlich vor die Flinte zu bekommen, erweist sich allerdings als gar nicht so einfach.

Der Bambi-Effekt

Das Bambi-Syndrom gibt es übrigens wirklich. Der Natursoziologe Rainer Brämer von der Uni Marburg hat eine wissenschaftliche Arbeit darüber geschrieben: "Das Bambi-Syndrom - Naturverklärung als Naturentfremdung". Der Bambi-Effekt bezeichnet die Ablehnung des Tötens von Tieren, die als süß oder niedlich gelten. Hühner aus Massentierhaltung sind egal – aber wehe das süße Reh aus dem Wald muss dran glauben. Als Ursache gilt der Disney-Film und die herzzerreißende Szene, in der Bambis Mutter vom Jäger erschossen wird.