Justice entdecken diesmal die Disco-Ära als Inspirationsquelle. Um die Kitschgrenze scheren sie sich dabei nicht. Nur beim Bass machen sie keine Kompromisse.

Dass Musikpreisverleihungen zu schrägen Veranstaltungen mutieren können, ist keine Seltenheit. Da lief die Freundin von John Legend gerade unten ohne über den Roten Teppich der American Music Awards. Die Besucher beim Echo müssen regelmäßig so tun, als würden sie auch die Kategorie "Volkstümliche Musik" aus tiefstem Herzen respektieren.

Und richtig haarig wird es dann, wenn Nominierte es den Gewinnern einer Kategorie am Ende nicht gönnen. So war es bei den MTV Europe Music Awards 2007. Das französische Duo Justice wollte sich gerade für den Preis für das beste Video bedanken, da enterte Kanye West die Bühne, um zu argumentieren, warum es gar nicht möglich sei, dass irgendjemand auf dieser Welt an ihm vorbeizieht. Schließlich sei sein Video unschlagbar. Justice konnte diese peinliche Nummer wahrscheinlich nur recht sein, denn dadurch wurde auch über sie mehr gesprochen.

Neun Jahre später sind Gaspar und Xavier aus Paris wieder am Start. Der massive Bass bleibt ihr Markenzeichen. Auf "Woman" katapultieren sie uns gnadenlos ins Disco-Zeitalter zurück: Mit Funky Beats, Falsett-Chören und überbordenden Emotionen.

Die Kitschgrenze wird auch gerne mal überschritten auf ihren zehn neuen Tracks. Aber irgendwie nimmt man es den beiden nicht krumm. Denn es ist ja kein platter Schmalz, den sie einem da andrehen wollen. Es handelt sich um wunderschöne, extralange Klanggemälde, die regelmäßig richtig coole Ausbrüche zu bieten haben. Da rauscht auch schon mal eine kratzig verzerrte Gitarre rein oder ein Stevie-Wonder-Clavinet, das ganz unmittelbar zum Mitnicken animiert.

Außerdem in dieser Sendung: Neue Songs von Hyphen Hyphen, Loyle Carner, Emiliana Torrini, Soulwax und vielen mehr.