Klar, Pappbecher sind nicht gut für die Umwelt. Wissen wir. Aber immerhin kann man sie ja recyceln. Dachten wir zumindest. Aber: es gibt nur eine einzige Aufbereitungsanlage in Deutschland, die das wirklich kann. Und da landen die Becher fast nie.

Die gute Nachricht: Der Plastikdeckel lässt sich problemlos recyceln, wenn er im gelben Sack landet. Die schlechte: Der Pappbecher kann so gut wie gar nicht recycelt werden. Grund ist die Plastikbeschichtung im Inneren des Bechers. Die sorgt dafür, dass die Pappbecher, obwohl sie zu 95 Prozent aus Papierfasern bestehen, nicht wieder in den Wertstoffkreislauf überführt werden können. Denn die Polyethylenbeschichtung lässt die Becher zusammenschrumpeln, erklärt Thomas Fischer von der Deutschen Umwelthilfe. Nur die Recyclinganlage in Merseburg kann überhaupt Papierfasern und Kunststoff sauber trennen.

"Der Pappbecher ist so gut wie nicht recyclingfähig."

Das zweite Problem mit den Pappbechern: Sie landen erst gar nicht wieder im Wertstoffkreislauf. Denn Coffee to go wird unterwegs konsumiert und deshalb fliegen die meisten Becher nicht in die gelbe Tonne, sondern in öffentliche Mülleimer. Wenn sie dort überhaupt landen und nicht in der Umwelt entsorgt werden, meint Thomas Fischer.

"Öffentliche Papierkörbe werden nicht noch mal sortiert, sondern der Inhalt landet in der Verbrennung."
Thomas Fischer von der Deutschen Umwelthilfe

Mehrweg scheitert an Mehrwertsteuer

Immer mehr Kaffeeliebhaber entscheiden sich deshalb für einen Mehrwegbecher, scheitern dabei aber oft an den Unternehmen. Die weigern sich, den mitgebrachten Becher zu befüllen. Häufig mit der Begründung, dass das aus hygienischen Gründen verboten sei. Die Deutsche Umwelthilfe hat deshalb bei verschiedenen Hygieneämtern nachgefragt, ob es Gründe gibt, die gegen das Befüllen von Mehrwegbechern sprechen. Fehlanzeige.

"Die Wiederbefüllung mitgebrachter Mehrwegbecher mit Kaffee ist nicht verboten."
Thomas Fischer von der Deutschen Umwelthilfe

Natürlich müssen bestimmte hygienische Vorschriften beachtet werden. So muss der Becher bei starker Verschmutzung vor Ort gespült werden, er darf nicht mit dem Einfüllstutzen in Kontakt kommen und andere Lebensmittel nicht negativ beeinflussen, erklärt Thomas Fischer. Den wahren Grund für die Weigerung sieht er deshalb eher bei finanziellen Interessen: Auf ein Kaffeegetränk in Einwegbechern muss weniger Umsatzsteuer gezahlt werden. Während für Kaffee in Einwegbechern nur 7 Prozent fällig sind, müssen für das Ausschenken in Porzellantassen 19 Prozent gezahlt werden.

"Hier wird durch eine steuerliche Schlechterstellung von Mehrweg der massenhafte Verkauf von Einweg-Pappbechern mit gefördert. Und das kann nicht der Ernst des Finanzministeriums sein."
Thomas Fischer von der Deutschen Umwelthilfe

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