Die Ebola-Epidemie in Westafrika ist gestoppt: Als letztes Land wurde Liberia zur ebolafreien Zone erklärt. "Das Land steht trotzdem vor einer gewaltigen Aufgabe", sagt Kinderarzt Werner Strahl von der Hilfsorganisation "Cap Anamur".

Westafrika ist ebolafrei. Das hat am Donnerstag die Weltgesundheitsorganisation (WHO) erklärt, nachdem Liberia als letztes Land der Region über mehrere Wochen keine Ebola-Fälle mehr gemeldet hat. "42 Tage lang gab es keine Neuerkrankung, das ist eine tolle Nachricht", sagt Werner Strahl von "Cap Anamur". Der Kinderarzt war seit dem Ausbruch der Seuche im Herbst 2013 drei Mal zu Einsätzen in Liberias Nachbarstaat Sierra Leone.

"Das ist eine sehr gute Nachricht, auf die wir lange gewartet haben."
Kinderarzt Werner Strahl, Vorsitzender der Hilfsorganisation "Cap Anamur"

Begeisterte Bevölkerung

Dort erlebte er im vergangenen November mit, wie das Land als ebolafrei deklariert wurde. "Die Bevölkerung war begeistert und glücklich", sagt Werner Strahl, "heute können endlich auch die Leute in Liberia feiern." Seit Ebola im November 2013 in Guinea ausgebrochen war, fielen dem Virus 11.300 Menschen zum Opfer. Insgesamt rund 29.000 Personen hatten sich infiziert - und viele der Überlebenden leiden heute an Folgekrankheiten, sagt Werner Strahl: Augenprobleme, Nervenschäden, Gelenkbeschwerden oder Hautprobleme sind weit verbreitet. "Was aber am längsten anhält, ist die Angst", hat er beobachtet.

Ein Arzt für 50.000 Menschen

Die WHO-Erklärung sei jetzt nur ein erster Schritt in Richtung ebolafreier Zukunft, sagt Werner Strahl. Denn die Krankheit könne jederzeit zurückkehren, und das Gesundheitssystem der betroffenen Länder ist nach der Epidemie noch schwächer geworden. Waren es etwa in Sierra Leone vor der Ebola-Welle noch 30.000 Menschen, die sich einen Arzt teilten, sind es mittlerweile 50.000 - weil viele Mediziner selbst erkrankt und gestorben sind.

"Zum Vergleich: In Deutschland kommen 200 Menschen auf einen Arzt", sagt Werner Strahl und fordert westliche Finanzhilfe für die Gesundheitssysteme der ehemaligen Ebola-Länder: "Das ist eine große, gewaltige Aufgabe - nur ein gesundes Gesundheitssystem kann auch neue Herausforderungen bewältigen."