Auf den Philippinen gibt es zu Karfreitag eine Tradition: Um ihren Glauben zu demonstrieren, lassen sich dort Menschen wie Jesus ans Kreuz nageln. Damit es nicht zu bleibenden Schäden kommt, ist die Art der Nägel entscheidend, sagt Kriminalbiologe Mark Benecke.

Es ist eine ganz schön blutige Angelegenheit: Die Teilnehmer der Karfreitagsprozession in Manila lassen sich mit desinfizierten Nägeln an Händen und Füßen ans Kreuz schlagen. Einer der Teilnehmer hat sich bereits 27 Mal ans Kreuz schlagen lassen. Bleibende Schäden an den Händen hat er nicht.

Das liegt daran, dass in den Handinnenflächen relativ viel Platz ist, weil dort keine Knochen sind. Damit es nicht zu Infektionen kommt, müssen die Nägel natürlich sauber sein, erklärt Kriminalbiologe Mark Benecke. Und damit es auch hält, sollten die Nägel möglichst dick sein. Streng genommen sind die Handinnenflächen allerdings eher ungünstig. Denn das Gewebe kann das Körpergewicht gar nicht halten. Das Gewebe würde unter dem Gewicht einfach reißen. Deshalb sind die Christusdarsteller bei den Passionsprozessionen zusätzlich mit Bandagen oder Seilen an den Armen gesichert.

"Dann hast du natürlich eine richtig große Blutung, eine richtig große Wunde und das ist nicht im Sinne des Erfinders."
Mark Benecke, Kriminalbiologe

Natürlich verursacht diese Prozedur Schmerzen, sagt Mark Benecke. Aber die seien erträglich, vor allem, wenn das Leiden einem höheren Ziel diene. Und er erinnert an die Medizingeschichte. Bevor es Narkosemittel gab, wurden Menschen bei vollem Bewusstsein Gliedmaße amputiert, Zähne gezogen oder der Schädel aufgebohrt. Auch diese Schmerzen hätten wir überlebt.

"Man kann ganz andere Schmerzen aushalten, als wir uns das heute so vorstellen. Die Frage ist natürlich: Muss man das im Zuge einer Passionsdarstellung?"
Mark Benecke, Kriminalbiologe

Der Nagel in den Handinnenflächen sei weniger schmerzhaft als die Alternative des Nagel durch die Handwurzel. Denn bei der Handwurzel werden auch die Knochen mit angekratzt und das verursacht deutlich mehr Schmerzen.

Von einem rät Mark Benecke dringend ab: Das Ganze zu Hause mal selbst auszuprobieren. Im Jahr 2016 sind wir für solche Schmerzen einfach nicht mehr gemacht. Und das Infektions- und Verletzungsrisiko ist einfach zu groß.