Pünktlich zur Berlinale verkündet die Filmförderungsanstalt FFA, dass der Marktanteil für deutsche Filme in deutschen Kinos auf einem Rekordhoch sei. Gleichzeitig wird schon lange die Qualität deutscher Filme kritisiert. Zu Recht?

"Das deutsche Kino hat anscheinend alles, was es braucht: Glanz, Glamour, kilometerweise roten Teppich. Aber eine Kleinigkeit fehlt: Die guten Filme."

Was ist das überhaupt, ein guter Film? Gar nicht so einfach zu beantworten. Die Akademie der Künste in Berlin hat gemeinsam mit dem Verband der deutschen Filmkritik den Versuch gemacht, diese Frage zu beantworten: Mit einer Umfrage unter Filmschaffenden und -kritikern. Denn der Ruf des deutschen Films krankt, und das schon geraume Weile. Internationale Festivals etwa interessieren sich so gut wie gar nicht mehr für deutsche Produktionen.

"Kino ist Kommunikation. Und wenn sie gelingt, ist es das beste, was passieren kann."

In der Umfrage wurde wenig überraschend deutlich, dass Qualität einen subjektiven Charakter besitzt und daher schwer zu definieren sei. Gleichzeitig, darauf weist Jutta Brückner, Vizedirektorin der Sektion Film- und Medienkunst der Akademie der Künste hin, berufen sich dennoch alle auf Qualität - das Fernsehen wie die Festivals und Förderer.

"Die subjektive Seite eines Films, die Erfahrung seiner besonderen transzendenten Eigenschaften, ist nicht messbar."

"Es funktioniert! - Gespräch über den Film" hieß ein Konferenzabend, der die Umfrage zum Anlass hatte. Und obgleich Brückner zu Beginn der Veranstaltung betont, dass es nicht um Schuldzuweisungen gehe, werden doch in vielen Beiträgen Schuldige ausgemacht. Allen voran wird der deutschen Filmförderlandschaft ein schlechtes Zeugnis ausgestellt.

"Der deutsche Film wurde auf Erfolgskurs gebracht und gewann eine neue Funktion als Wirtschaftsgut."

Aus den mehr als 20 Beiträgen des Abends hören wir im Hörsaal sechs Kurzvorträge:

  • Die Filmpublizistin Claudia Lenssen blickt zurück in die Geschichte des Films um zu zeigen, wie unterschiedlich Qualität seit jeher verstanden wird.
  • Bettina Schoeller - Regisseurin, Autorin, Produzentin und Vorstandsmitglied von Pro Quote Regie - einem Zusammenschluss von Regisseurinnen, die sich für Gleichstellung in der Film- und Fernsehbranche einsetzt - fragt sich: Wer entscheidet eigentlich über die Qualität des deutschen Films?
  • Der Drehbuchberater Robert Zag macht Vorschläge zur Optimierung des deutschen Kinos und plädiert für eine bessere dramaturgische Ausrichtung an Publikumsbedürfnissen.
  • Katharina Hochfeld, Leiterin des Kompetenzfelds "Diversity in Organisationen" der Fraunhofer-Gesellschaft, macht einen Exkurs in die Sozialforschung und beschreibt, wie bestimmte Qualitäten bestimmten Gruppen zugeordnet werden.
  • Katrin Schlösser, Produzentin und Professorin für kreative Film- und Fernsehproduktion an der Kunsthochschule für Medien Köln, betrachtet, was die Professionalisierung durch Förderung aus dem deutschen Film gemacht hat.
  • Der Regisseur und Filmprofessor Robert Bramkamp fragt sich, was dem deutschen Kino fehlt.
  • Hörsaal-Redakteurin Katja Weber war außerdem als Reporterin auf der Berlinale unterwegs und hat sich beim Publikum umgehört, was für uns Zuschauer die Qualität von Filmen ausmacht.

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Podcast zur Sendung
  • Hörsaal
  • Moderatorin: Katrin Ohlendorf
  • Vortragende: Claudia Lenssen (Filmpublizistin), Bettina Schoeller (Regisseurin, Autorin und Produzentin), Roland Zag (Drehbuchberater), Katharina Hochfeld (Fraunhofer-Gesellschaft), Katrin Schlösser (Produzentin und Professorin), Robert Bramkamp (Regisseur und Professor)