Der kleine Waffenschein ist gefragter denn je. Er erlaubt das Tragen von Schreckschusswaffen. Unser Reporter hat sich so eine besorgt - und war froh, sie wieder los zu werden.

Carolin Matthie hat uns hier erzählt, warum sie eine Waffe mit sich trägt, die sie mit dem kleinen Waffenschein tragen darf. In erster Linie geht es ihr um die Möglichkeit, Angreifer abwehren zu können, sagt sie. Pfefferspray sei ihr zu umständlich, einen Nahkampf möchte sie unbedingt vermeiden. Sie sieht das Tragen von Schreckschusswaffen mit Platzpatronen oder Patronen mit CS-Gas oder Pfefferspray für sich selbst positiv.

Auch unser Reporter Panajotis Gavrilis hat das Tragen einer Schreckschusswaffe getestet. Er kommt aber zu einem anderen Ergebnis als Carolin und war froh, die Waffe nach einigen Tagen wieder loszuwerden. Seine Bedenken:

1. Waffe griffbereit, dafür immer sichtbar

Wirklich schnell einsatzbereit ist die Waffe eigentlich nur, wenn man sie geladen am Gürtel im Waffenholster trägt. Das wollte Panajotis auf keinen Fall. "Wenn ich im Café meine Jacke ausziehe, sehen alle, dass ich eine Waffe trage. Was dann? Vielleicht rufen die sogar die Polizei." Panajotis hatte die Pistole deshalb immer im Rucksack. In einer Angriffssituation wäre er nicht ausreichend schnell an sie herangekommen.

2. Angreifer durch Schreckschusswaffe sogar eher motiviert selbst zu schießen?

Dann stellt sich Panajotis die Frage: Was mache ich überhaupt, wenn mich jemand angreift und ich die Waffe gezogen habe? Ziele ich wirklich auf den Menschen? Drücke ich wirklich ab?

Hinzu kommt ein weiteres Problem, auf das der Waffenhändler hinweist, bei dem Panajotis die Schreckschusswaffe gekauft hat:

Wenn der Angreifer davon ausgeht, die Schreckschusswaffe sei eine mit richtiger Munition, könnte er sich davon bedroht fühlen und mit seiner eigenen Waffe sogar eher angreifen. Der Waffenhändler sagt, beim Tragen einer Schreckschusswaffe ginge es wohl eher um einen psychologischen Effekt als um eine eindeutig erhöhte Sicherheit.

3. Ich habe doch überhaupt keine Ahnung von all dem

Panajotis hatte stets das Gefühl, selbst ein Sicherheitsrisiko zu sein und nicht ausreichend Ahnung vom Thema Schreckschusswaffe, Munition und Umgang mit all dem zu haben. "Kann sich da vielleicht auch einfach so ein Schuss lösen?" Diese Frage hatte er stets im Hinterkopf. Hinzu kommt: Auch seine Freunde und Bekannte wissen, dass sich Panajotis nicht ausreichend auskennt und fordern: Pack das Ding weg.

Eine Einweisung oder eine Art Führerschein gibt es für Schreckschusswaffen nicht. Um den kleinen Waffenschein zu bekommen, muss man lediglich nachweisen, nicht vorbestraft zu sein, und eine Gebühr fürs Ausstellen bezahlen.