Viele Imker werfen die männliche Bienen-Larven weg. "Das ist ökologischer Unsinn", sagt Daniel Ambühl. Besser sei es sie zu essen. Dass das auch noch schmeckt, will er mit einem Bienen-Kochbuch beweisen.

Insekten könnten das Nahrungsmittel der Zukunft sein, sagt die UN-Ernährungsorganisation FAO. Allerdings werden die proteinreichen Krabbeltiere bei uns kaum verzehrt. Grund: irgendwie eklig. Daniel Ambühl sieht das anders. Und er hat ein Idee, wie die Speiseplanumstellung lecker und nachhaltig gelingen könnte: Er kocht mit Bienenlarven.

Was sonst niemand will

Dabei nimmt er allerdings nur die männlichen Larven, denn die haben in der Bienenzucht eine sehr eingeschränkte Rolle: Die Drohnen werden nur benötigt, wenn Königinnen begattet werden sollen. "Weil die meisten Imker keine Königinnen hochziehen, sind sie für viele überflüssig."

Die männlichen Larven werden weggeworfen - tonnenweise. Das passiert auch mit dem Zweck, die Ausbreitung der Varroa-Milbe zu verhindern. Der Parasit setzt sich nämlich vor allem bei den männlichen Larven fest - und die haben im Bienenstock quasi ihr eigenes Abteil, da sie größere Waben benötigen.

"Bei allen Rezepten, die wir hierzulande kennen, können wir eigentlich das Ei durch Bienen ersetzen."
Daniel Ambühl, Autor des Bienenkochbuchs

Insofern habe diese keine negativen Auswirkungen auf die Bienenpopulation, sagt Daniel Ambühl. Für ihn ist dieser Fall der Entomophagie, so heißt der Fachbegriff für den Verzehr von Insekten, eine Win-Win-Situation.

Der Schweizer imkert selbst nicht, aber er hat ein Faible für Insekten. Einige Hirschkäferarten hält er selbst im eigenen Keller. Die bleiben bei seinem Koch-Hobby allerdings außen vor. Für seine Rezepte verwendet er vor allem Bienenlarven. Das ausgewachsene Tier sei weniger geeignet, da in Panzern, Fühlern, Flügeln auch schlechter verträgliche Stoffe stecken, sagt Daniel Ambühl.

Die Inspiration für seine Rezepte holte er sich zuerst aus Asien, dann setzte er auch ganz gängige europäische Gerichte mit Biene um. Die heißen dann beispielsweise "Beezza" (Bee + Pizza) oder "Beezarella". Auch Nudeln, Eiscreme oder Mousse au Chocolat hat er damit schon gemacht.

Für ihn ist es eine nahrhafte Ergänzung mit einem Fett- und Proteinanteil ähnlich wie bei Eiern. Auch Vitamine, Eisen und Zink sind enthalten. Wenn er allerdings zum Essen einlädt, merkt er immer wieder, dass die Menschen dann doch zögern. Dabei hätte sich über den Geschmack bisher niemand beschwert.

"Das schmeckt ausgezeichnet. Ich war ja 25 Jahre Vegetarier, bis ich 2013 nach dem Bericht der FAO entschieden habe, das auszuprobieren."
Daniel Ambühl, Autor des Bienenkochbuchs

Bei der Zubereitung empfiehlt er für Anfänger das Anbraten mit anderen Zutaten, aber auch im Teig lassen sich die Larven durch einfaches Kneten gut weiterverarbeiten, sagt der Koch-Enthusiast. Sein Tipp für die Aufbewahrung: Ganze Wabenstücke in der Kühltruhe lagern. Dadurch werden die Larven getötet, aber gleichzeitig frisch gehalten.

Für Daniel Ambühl gibt es eigentlich nur ein Problem beim Kochen mit Bienen: dass die Biene nicht auf der Liste der essbaren Insekten steht. "In der Schweiz sind nur Grille, Mehlwurm, Heuschrecke aufgeführt. Deshalb müssen die Imker sie wegwerfen. Das ist ökologischer Unsinn." Die Insekten statt an Menschen an Tiere zu verfüttern, wäre für ihn keine befriedigende Lösung: "Die Insekten sind von ihren Inhaltsstoffen viel zu gut dafür."

Daniel Ambühl mit Käfer
© Daniel Ambühl
Keine Scheu vor Insekten: Bienenzüchter Daniel Ambühl. Essen will er Käfer nicht, selbst wenn er durchaus auf dem Speiseplan von indigenen Völkern steht.