Deutsche Laubbäume sind ziemlich krank. Eschen und Ulmen haben schon lange mit Schädlingen und Pilzen zu kämpfen, doch jetzt ist auch die Kastanie betroffen.

"Gegen das Ulmensterben kämpfen wir seit 20 Jahren relativ erfolglos", sagt Ralf Petercord. Aber was mit der Rosskastanie gerade passiert, sei wirklich erschreckend, meint er. Ralf Petercord leitet die Abteilung Waldschutz der Bayerischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft. In Hamburg sind viele kranke Bäume schon gefällt worden. Schuld am Kastaniensterben ist das Bakterium Pseudomonas. Es macht den Baum anfällig für Pilze und Schädlinge. Die bringen ihn dann um.

"Es gibt Bakterien, die schon lange bei uns sind, aber anscheinend durch den Klimawandel aggressiver werden."

Den Eschenkiller nennen Fachleute übrigens das "Falsche Weiße Stängelbecherchen". Klingt harmlos, ist aber eine ernste Pilzerkrankung, die wirklich nur ein paar Bäume überstehen. Die Sporen setzen sich in den Blättern fest und hindern sie daran Photosynthese zu betreiben. In Bayern sei bereits die Hälfte des Eschenbestands verloren, sagt Ralf Petercord.

Stadtbäume werden nur 30 Jahre alt

Wegen des Klimawandels verändern sich die Umweltbedingungen in unseren Städten jetzt schon so sehr, dass Fachleute unterschiedliche Baumsorten ausprobieren, die auch in Zukunft durchhalten, unsere Parks begrünen und Feinstaub binden sollen. "In Städten werden klassische Straßenbäume maximal nur 30 Jahre alt", erklärt Ralf Petercord, dann werden sie ersetzt. Länger halten sie gegen Wurzelschäden, Hunde-Urin und sonstige Einflüsse nicht durch.

Durch den weltweiten Handel mit Holz, verteilen sich asiatische und amerikanische Bakterien und Pilze in deutschen Wäldern und Städten. Das Aussterben der Kastanie wird zwar noch eine Weile dauern, ausgeschlossen sei es aber nicht, meint Ralf Petercord.