Jedes Jahr sterben hunderttausende Menschen an Malaria. Ein wirksamer Impfstoff wird händeringend gesucht. Und genau den wollen Wissenschaftler aus Tübingen jetzt entwickelt haben.

Die Anzahl der jährlichen Neuerkrankungen ist erschreckend. Jedes Jahr erkranken an der Tropenkrankheit Malaria weltweit über 200 Millionen Menschen. Um die 440.000 Menschen sterben an den Folgen der Infektion mit einem Parasiten, der durch die Stechmücke der Gattung Anopheles übertragen wird. Allein 90 Prozent der Opfer kommen aus Afrika, darunter vor allem Frauen und Kinder.

Studie arbeitet mit potentiell krank machenden Erregern

Schon seit Jahrzehnten versuchen Forscher, eine Schutzimpfung gegen Malaria zu entwickeln. Dabei hat es bislang vor allem Rückschläge gegeben. Impfstoffe, die im Labor vielversprechende Ergebnisse lieferten, versagten meist im anschließenden Feldversuch, oder sie blieben weit hinter den Erwartungen zurück.

Die aktuelle Studie der Forscher vom Tübinger Institut für Tropenmedizin und vom Deutschen Zentrum für Infektionsforschung (DZIF), die jetzt im Fachmagazin "Nature" erschienen ist, basiert auf 35 Teilnehmern.

Der getestete Impfstoff enthielt den spezifischen Malariaerreger Plasmodium falciparum, in einer nicht-abgeschwächten Form. Das bedeutet, dass die Probanden ohne die gleichzeitige Gabe des Malariamittels Chloroquin selbst an Malaria erkrankt wären.

"Ob der Schutz länger hält, muss noch geprüft werden. Es gibt noch viele Hürden. Aber das Konzept ist Erfolg versprechend."
Martin Winkelheide, Wissenschaftsjournalist

Die neun Teilnehmer der Studie, die alle 28 Tage mit der höchsten Konzentration an Malariaerregern infiziert worden waren, wiesen am Ende zehn Wochen lang einen vollständigen Schutz vor einer Ansteckung auf. Ob der Impfstoff auch darüber hinaus vor Malaria schützt, müssen weitere Experimente erst noch zeigen.

Impfstoff muss sich erst in der freien Natur bewähren

Der neue Impfstoff aus Tübingen besitzt möglicherweise zwei Schwachstellen. Zum einen müssen die verwendeten Parasiten bisher aus den Speicheldrüsen der Mücken herauspräpariert werden, was eine Herstellung im industriellen Maßstab eigentlich unmöglich macht.

Zum anderen haben die Wissenschaftler einen Laborstamm von Plasmodium falciparum eingesetzt, der eventuell zu wenige Gemeinsamkeiten mit dem Stamm des Erregers aufweist, der in der freien Natur vorkommt. Ob das so ist, soll unter anderem ein bereits laufender Feldversuch in Gabun klären.