Der Limes schaffte Rechtsräume, die chinesische Mauer war ein Zeichen für die Expansion. Die Habsburger Militärgrenze erfüllte mit militärischen und medizinischen gleich mehrere Ziele. Über alte Grenzen - und was sie uns heute lehren.

Der römische Limes, die chinesische Mauer und die Militärgrenze des Habsburgerreichs sind stumme Zeugen des Versuchs, Länder und Gesellschaften gegen Einflüsse von außen und Eindringlinge zu schützen. Diese Grenzbefestigungen hatten gemeinsam: Sie reizten Flüchtlinge und Krieger, sie zu überwinden.

Einen Zweck erfüllen die Grenzen früher wie heute: Sie kontrollieren und protokollieren Einwanderung, Import und Export und schaffen Rechtsräume.

"Europa kann es sich gar nicht leisten, eine Grenze zu haben, die nicht überwindbar ist."
Bernd Kasparek, bordermonitoring.eu e.V.

"Je größer die Mauer, desto höher die Leiter", sagen heute Experten, die sich mit der Außengrenze der Europäischen Union beschäftigen. In Europa wird die Forderung nach einer "Abschottung" des Kontinents lauter, in den USA hat der kommende Präsident Donald Trump versprochen, eine mehr als 3000 Kilometer lange Mauer (oder einen Zaun) zu Mexiko zu bauen, um illegale Einwanderer abzuhalten.

Ihr hört in Eine Stunde History:

  • Der Sinologe Hans-Wilm Schütte über den Auf- und Ausbau der chinesischen Mauer. Er sagt: "Die chinesischen Mauern von damals sind eher ein Monument für eine aggressive chinesische Politik, den Selbstbehauptungswillen eines geeinten Reiches."
  • Die Historikerin Barbara Stollberg-Rilinger über die Militärgrenze des Habsburgerreichs, die mit der Zeit "von einer militärischen zu einer medizinischen Grenze wurde, um sich vor der Pest zu schützen, die vermeintlich von den Türken gebracht wurde".
  • Bernd Kasparek vom Verein Bordermonitoring.eu, über die Versuche, Europas Außengrenze zu sichern. Er sagt, ein Effekt von Grenzverschärfungen sei, dass Menschen eher (auch illegal) in manchen EU-Ländern bleiben, weil sie womöglich nie wieder dorthin zurück kommen, wenn sie einmal ausgereist sind.
  • DRadio-Wissen-Geschichtsexperte Matthias von Hellfeld über die historische Bedeutung von Grenzen und darüber, warum manche von ihnen heute unmöglich geworden sind.