Sie sind meistens nicht größer als 35 Quadratmeter und haben höchstens zwei Zimmer. Micro-Apartments sind Trend: Bei Leuten, die Bock haben mehr Geld fürs Leben und weniger fürs Wohnen auszugeben. Aber auch bei Investoren, die mit vielen kleinen Wohnungen, in denen Studenten oder Pendler wohnen, viel mehr Geld machen können, als mit größeren Wohnungen.

Mehr Lebensqualität durch weniger Wohnraum - das klingt erstmal widersprüchlich, aber das Zauberwort ist Downsizing. Und das steckt auch hinter dem Tiny-House-Boom: Ich bekomme für 20.000 Euro ein kleines eigenes Haus. Das bedeutet, ich muss mich nicht bis in alle Ewigkeit verschulden. Ich hab wenig Wohnraum, um den ich mich kümmern muss.

Weniger putzen, weniger Aufräumen, weniger Kram

Das gilt auch für Micro-Apartments, erklärt Architekt Van Bo Le-Mentzel. Er hat die Tiny House University gegründet, gemeinsam mit Geflüchteten, und die entwickelt genau solche Wohnkonzepte. Für ihn ist die Suche nach kleinerem Wohnraum eine bewusste Entscheidung für mehr Lebensqualität und gegen den Kapitalismuszwang.

"Glück hat nichts zu tun mit Quadratmetern. Liebe machen auf dem Autorücksitz kann genauso spannend sein wie in einem 3-Zimmer-Palast."
Van Bo Le-Mentzel, Architekt

Die Entscheidung für eine Miniwohnung hat aber natürlich auch mit Geld zu tun. Studenten sind eine weitere große Zielgruppe von Micro-Apartments. Es werden gerade in allen großen Studentenstädten Gebäude gebaut, in denen es nur 20 bis 30 Quadratmeter-Wohnungen gibt. Das hat mit bewusstem Verzicht wenig zu tun.

"Sobald du dort einen billigen Tisch reinstellst und das Apartment als möbliert deklarierst, kannst du dich von der Mietpreisbindung lösen und 30 Euro pro Quadratmeter verlangen – was ein Verbrechen ist!"
Van Bo Le-Mentzel, Architekt

Van Bo verteufelt nicht alle dieser Konzepte und auch nicht für jeden. Für Studierende aus dem Ausland können möblierte Micro-Apartments schon eine gute Alternative sein, um vorübergehend irgendwo zu wohnen. Das gleiche gilt für alle die soweit weg von zu Hause arbeiten, dass es sich nicht lohnt nach Hause zu fahren. Und auch für Leute, die irgendwo befristet ein Jahr arbeiten, sind Micro-Apartments praktisch.

Wenn alle in die Städte wollen, wird es irgendwann eng

Dann müssen wir in kleinere Wohnungen ziehen - wie in New York, London oder Tokio, wo man sein kann, wenn man in der City für zehn Quadratmeter weniger als einen Tausender zahlt. Van Bo Le-Mentzel ist aber überzeugt, dass es in deutschen Großstädten genug Wohnraum gibt. Viele Häuser und Büros stehen aus Spekulationsgründen leer. Mit mehr Phantasie könnte man den nutzen, meint der Architekt.

"Diese Fantasie bekommst du aber nicht, wenn du in die Bauordnung reinguckst, wo Fluchtwege und Brandschutzverordnungen dazu führen, dass wir noch nicht mal einen Flughafen hinkriegen."
Van Bo Le-Mentzel, Architekt

Der Berliner Architekt hat ein Konzept entwickelt, das Wohnungen auf einer kleinen Grundfläche übereinander stapelt. So könnte man zum Beispiel Lücken zwischen Häusern nutzen. Auch wenn die Wohnungen nur eine kleine Grundfläche haben, sind alle 3 Meter 50 hoch, so dass man verschiedene Wohnbereiche übereinander unterbringen kann - auf verschiedenen Emporen. Die Umsetzung scheitert bis jetzt noch an Bauverordnungen. Immerhin wird aber gerade in Kassel eine Testwohnung nach diesem Muster gebaut.

Van Bo will es mit diesen Wohnungen möglich machen, dass man nicht mehr als 100 Euro im Monat fürs Wohnen ausgibt. Inklusive aller Nebenkosten. Und da sind wir dann wieder am Anfang, beim bewussten Downsizing ohne Geldmacherei.

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