Die Lebenserwartung der Menschheit erhöht sich, die extreme Armut nimmt ab - auf Kosten der Umwelt. Das stellt ein Bericht des Millennium Projects fest, der Mitte April erscheint. Weitere Probleme: Wasserknappheit und -verschmutzung.

Auf den ersten Blick scheint es so, als würde die Zukunft rosig. Denn der Bericht des Millennium Project "2014 State of the Future Report" nennt erstmal die guten Nachrichten. So ist die Kindersterblichkeit seit 1990 weltweit um 50 Prozent gesunken. Gleichzeitig ist die Lebenserwartung in den letzten 20 Jahren global um zehn Jahre gestiegen; es gibt mehr Bildung und weniger extreme Armut. In diesen Punkten scheinen die Vereinten Nationen ihren Millenniums Zielen, die sie sich 2001 setzten, näher gekommen zu sein.

"Der Schaden ist dramatisch."
Cornelia Daheim, Gründerin und Leiterin des deutschen Parts des Millennium Project

Doch dann kommt das große Aber: Der Bericht warnt vor drohender Wasserknappheit durch sinkende Süßwasserspiegel auf allen Kontinenten und der zunehmenden Wasserverschmutzung. Immer mehr Menschen werden immer weniger Zugang zu sauberem Wasser haben. Außerdem, schränkt Cornelia Daheim ein, sei zwar die extreme Armut geringer geworden, gleichzeitig aber vergrößerten sich die Unterschiede zwischen Arm und Reich.

Modell Indien weltweit

Global nähern wir uns dem Modell Indien an, warnt Cornelia Daheim. Ein großer Sockel der Gesellschaft würde abgehängt werden und keinen Zugang mehr zu Sozial- oder Hilfeleistungen haben. Inzwischen besitzen die 85 Reichsten so viel wie die arme Hälfte der Menschheit zusammen - das sind 3,6 Milliarden Menschen. Der Bericht warnt vor Folgen der Ungleichheit wie sozialen Konflikten, steigender Kriminalität und Flüchtlingsbewegungen.

"Der große Hebel wird nicht umgelegt."
Cornelia Daheim, geschäftsführende Gesellschafterin bei Z_punkt, dem Beratungsunternehmen für strategische Zukunftsfragen

Noch immer würden die Industriestaaten weltweit die größten Klimaschäden hervorrufen, mehr als alle Entwicklungsländer und China zusammen. Doch statt energisch gegen den Klimawandel vorzugehen, zweifelt die Staatengemeinschaft und zieht sich vom Thema "Klimawandel" immer weiter zurück.

Wertvolle Einblicke

Generalsekretär Ban Ki-moon wertet die Ergebnisse des jährlich erscheinenden Berichts als "wertvolle Einblicke in die Zukunft - für die Vereinten Nationen, die Mitgliedsstaaten und die Zivilgesellschaft". Der Bericht wird von einem internationalen Think Tank auf der Grundlage von Daten der letzten Jahrzehnte erstellt, daraus prognostizieren die Forscher die Entwicklungen der Zukunft. Der Bericht erscheint am 15. April zum 17. Mal. Unterstützt wird das Projekt von der Unesco, der Rockefeller Foundation und der US-amerikanischen Forschungs- und Bildungseinrichtung Smithsonian Institution.