In den 90er haben Tierschützer erfolgreich gegen Echtpelz gewettert. Inzwischen sind Pelzaccessoires en vogue und beliebter denn je. Und statt Kunstpelz bekommen wir manchmal Echtpelz untergejubelt - weil der teilweise billiger ist.

"Cool" sieht der Fellbesatz am Parka aus, und die Wollmütze wirkt mit Fellbommel gleich viel edler. Viele tragen diese kleinen Fellaccessoires, ohne zu wissen, dass es sich um Echtpelz handelt. Echtpelz ist von Kunstpelz für den Laien kaum zu unterscheiden. Laut NDR-Berichten kommt gut ein Drittel der verarbeiteten Felle aus China. Ein Land, das für seinen Tierschutz nicht gerade berühmt ist.

Unsere Reporterin Caro Köhler hat den Pelztrend auch bei der New Yorker Fashion Week ausgemacht. Den beobachtet die Modebloggerin Alex Bohn kritisch und unter anderem dafür eine Plattform für nachhaltig und fair produzierte Mode aufgesetzt.

"Auf Seiten der Konsumenten ist Pelz, glaube ich, deswegen weiter ungebrochen attraktiv, weil viele Leute es immer noch mit Luxus assoziieren."
Alex Bohn, Modebloggerin

Nach Angaben des Deutschen Pelz-Instituts ist die weltweite Pelzzucht weiter im Wachstum begriffen. Für den Zeitraum 2013 bis 2014 wurden weltweit 87,2 Millionen Felle in einem Gesamtwert von 3,7 Milliarden Euro hergestellt. Tierschützer sind besorgt über diesen Trend. Lea Schmitz vom Deutschen Tierschutzbund geht davon aus, dass die meisten Konsumenten gar nicht wüssten, dass es sich um Echtpelz handelt. Ende Januar hat die Stiftung Warentest selbst auf Billigjacken Echtpelz nachgewiesen, der teilweise sogar günstiger als Kunstpelz sei.

Test: Echt- oder Kunstpelz?

Caro plagt das schlechte Gewissen und geht mit ihrem Wintermantel zum Kürschner Guido Adrian. Ist der Pelzkragen echt? Der Fachmann fühlt, dass es Kunstpelz ist. Wer darin nicht so geübt ist, dem rät er zu einer Brennprobe: Ein paar Fellhaare ausreißen und mit dem Feuerzeug abbrennen. Wenn sich an den Spitzen Plastikkügelchen bilden, ist es Synthetik. Guido Adrian achtet bei der Verarbeitung auf zertifizierte Felle. Das hält der Kürschner für nachhaltiger als Synthetik. Eine Studie des Bremer Umweltinstituts hat im Auftrag der Tierschutzorganisation "Vier Pfoten" 2011 allerdings eine hohe Belastung der Felle mit Formaldehyd nachgewiesen. Außerdem hat eine weitere Studie der Uni Delft 2011 die umweltschädlichen Auswirkungen der Nerzzucht aufgezeigt, die um ein Vielfaches die der Textilproduktion übersteigen.

Bio-Felle

Wer aber dennoch nicht auf Fellaccessoires verzichten will, sollte auf Felle von Nutztieren achten, wie zum Beispiel Schaffelle, die sonst nach der Schlachtung einfach weggeworfen werden. Sind die Felle dann noch aus ökologischer Tierhaltung, trägt es sich noch angenehmer. Für Alex eine echte Alternative. Kunstpelz dagegen ist für sie wegen der schlechten Öko-Bilanz keine Alternative.

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