Seit zwei Tagen können die Menschen im Gazastreifen durchatmen: Israel und die Hamas haben sich auf eine dreitägige Waffenruhe geeinigt. Ob der Beschuss des Gazastreifens weitergehen wird, ob die Hamas wieder Raketen Richtung Israel abfeuern wird, all das wird sich in den nächsten Tagen zeigen. In der Redaktionskonferenz sprechen wir mit Menschen, die den Krieg am eigenen Leib erlebt haben: im Gazastreifen, in Israel und im Westjordanland.

Eine Redaktionskonferenz mit Verena von Keitz

Menschen im Gazastreifen tragen ihr Hab und Gut an einem zerstörten Haus vorbei.
© dpa
Gazastadt

"Wir sind mit den Nerven fix und fertig"

Usama Antar ist Politikwissenschaftler und lebt in Gaza. Als in sein Wohnhaus drei israelische Raketen einschlugen, zog er mit seiner Familie ins Hotel. Jetzt ist er wieder zuhause und versucht weiterzuleben.

Der Gazakrieg trifft Usama Antar mitten in den Ferien: Seine Kinder müssen gerade nicht zur Schule gehen. Er erzählt im Interview mit DRadio Wissen, dass während des Krieges in Gazastadt überall Schüsse und Einschläge zu hören und zu fühlen waren.

Am Dienstag (29.7.) traf es auch Usama und seine Familie: Mehrere Raketen schlugen in sein Wohnhaus ein: Zuerst im 7. Stock, wo Usama mit seiner Familie lebt, dann im 4. Stock und Stunden später im 6. Stock.

"Kein Ort in Gaza ist sicher"

Zwei Tage ist Usama mit seiner Familie in ein Hotel am Meer gezogen. Es ist einer der sichereren Orte in Gaza: denn hier halten sich Ausländer und Journalisten, darum hält sich die israelische Armee dort mit Angriffen zurück.

"Das Hotel wird per GPS von den Israelis geortet und darauf wird nicht geschossen."
Usama Antar

Nach drei Tagen hat Usama das Hotel wieder verlassen. Er wollte nach Hause. Und er sagt: "Es gibt in Gaza keinen Ort, der sicher ist. Da können wir auch zuhause sein." Am schwierigsten sei es, den Kindern den Krieg zu erklären. Zur Ablenkung spielt er mit seinen Kindern Karten oder er lässt sie Lieder singen.

"Wir haben seit zehn Tagen keinen Strom im ganzen Gazastreifen."
Usama Antar

Das Leben wieder in Ordnung bringen

Seit dem Waffenstillstand hat Usama mit seiner Familie Verwandte besucht. Darunter auch die Tante seiner Frau. Sie hat ihren Mann und ihren Sohn im Krieg verloren, ihr haben sie ihr Beileid ausgesprochen. Außerdem versucht die Familie ihre Vorräte aufzufüllen. Weil es immer noch keinen Strom gibt, können sie aber nur Lebensmittel einkaufen, die sich lange halten. Usama hofft, der Waffenstillstand wird beibehalten.

"Ich habe das Gefühl, von Seiten der Palästinenser wird es eingehalten. Die Gesellschaft kann es nicht mehr verkraften. Wir sind mit den Nerven fix und fertig."
Usama Antar