Es gibt Menschen, die an Gott glauben - in welcher Form auch immer. Forscher fragen sich, wo diese religiösen Gedanken und Gefühle entstehen.

Wie und wo die Religion entsteht, haben die Wissenschaften noch nicht herausgefunden. Sowohl die Neurobiologie als auch die Theologie können nur Hypothesen aufstellen und darauf aufbauen. Der Neurobiologe Robert-Benjamin Illing von der Universität Freiburg im Breisgau vertritt die Ansicht, der Glaube an einen Gott oder mehrere Götter sei aus der Angst heraus geboren.

"Zunächst ist auch der Gedanke an einen Gott vielleicht - und ich vermute - nur eine Hypothese, die wir dank unseres kognitiven Erbes in die Welt hinauswerfen."
Robert-Benjamin-Illing, Neurobiologe

Mit seinen großen Möglichkeiten fasse der Mensch seine Ängste in Mythen und konstruiere daraus Religionen, die ihm helfen sollen. Außerdem sei lange nicht alles wahr, was unser Gehirn an Sinneseindrücken verarbeite und deute. Optische Täuschungen seien nur ein Beispiel dafür.

"Meine These ist, dass Religion nicht deshalb schlicht in unseren Genen und auch nicht in unseren Gehirnstrukturen stecken kann, weil sie auf Sprache und Ausdrucksfähigkeit des Menschen aufruht."
Dirk Evers, Theologe

Dirk Evers, systematischer Theologe aus Halle an der Saale ergänzt, die Religion bilde sich innerhalb unseres sozialen Raumes, in dem wir Menschen mit Sprache interagieren. Beide Redner sind sich einig darin, dass kein Areal im Hirn existiert, in dem sich Religion nachweisen lasse.

Dirk Evers, Theologe, und Robert-Benjamin Illing, Neurobiologe
© Brigitte Heeke
Dirk Evers, Theologe, und Robert-Benjamin Illing, Neurobiologe