Bei der Eröffnungsfeier leuchten die olympischen Stadien im Blitzlichtgewitter und auch Architekten geben gerne damit an. Was nach den Spielen kommt, ist allerdings oft weder glamourös, noch nachhaltig.

Eine Ausstellung im Olympischen Museum in Lausanne schaut sich die olympischen Stadien an: Ihre Geschichte, was aus den ehemaligen Stadien geworden ist und wie sie die Austragungsorte beeinflusst haben. Einige Schandflecke lässt die Ausstellung, die auch vom Internationalen Olympischen Komitee finanziert wird, lieber aus, berichtet Architekturkritiker Nikolaus Bernau.

Ruinen, Millionengräber, Gentrifizierer

Kritik an den Olympischen Spielen ist das IOC gewohnt. Sie seien eine unglaubliche Verschwendung von Material und Landschaft, in die die Sportstädten gewuchtet werden. Auch das nationale Architektur-Gepose kommt nicht überall gut an. Daher will das Olympischen Komitee nun darauf achten, dass das besser wird. Insofern dient die Ausstellung ganz klar erst einmal der Imagepflege.

"Die Ausstellung ist überhaupt nicht neutral, sie soll ganz klar machen: Wenn ihr ein Stadion baut, dann habt ihr die großartige Chance, eure Städte zu verändern."
Nikolaus Bernau, Journalist und Architekturkritiker

Lieber versteckt wird etwa dieses Beispiel: "Der große Katastrophenfall des IOC ist das Stadion von Montreal", sagt Nikolaus Bernau. Die Sportanlagen, in denen 1976 die Spiele stattfanden, waren so teuer, dass sie noch bis vor Kurzem abbezahlt werden mussten. Dafür sparte die Stadt dann bei anderen Neubauten.

Der andere Fall, der lieber unter den Teppich gekehrt wird, ist Athen. Hier fanden zwar 2004 erfolgreiche Spiele statt, heute stehen die Besucher aber etwas abseits von Athens Zentrum mitten auf der Wiese vor zumeist ungenutzten riesigen Bauten, die langsam aber sicher kaputt gehen.

"Danach hat man mit dem Gelände überhaupt nichts mehr gemacht. Das heißt, man hat in Athen ganz fantastische große Sportarchitekturen, die niemand mehr nutzt."
Nikolaus Bernau, Journalist und Architekturkritiker

Seit einiger Zeit gibt es ein Nachhaltigkeitskonzept, wie die Städte nach den Olympischen Spielen mit den Sportbauten umgehen können. Vorzeigeobjekt des IOC ist London. Bis 2030 gibt es Pläne, wie die Sportstädten sich weiterentwickeln können.

Gebäude für Londons reiche Mieter

"Da passiert auch wirklich viel", sagt Nikolaus Bernau. Es werden Studentenwohnungen gebaut, Sozialwohnungen eingerichtet. Er kritisiert aber: Nicht betrachtet werde in der Ausstellung, was um die ehemaligen Sportstädten herum passiert ist. Das Londoner East End, ein traditionelles Arbeiterviertel, das bisher nicht so teuer war, wird nun auch von reichen Londonern entdeckt. Mieten steigen, viele müssten wegziehen, sagt Nikolaus Bernau.

Bei den Spielen in Rio gab es indessen schon vor den Wettkämpfen eine Menge Ärger wegen der hohen Kosten. Nicht zuletzt musste die brasilianische Präsidentin abdanken. Die Probleme verteilten sich aber auch auf die Fifa, die dort zuvor die Weltmeisterschaft ausrichtete. Für das Fußballevent wurden die Stadien quasi in den Dschungel gebaut.

"Im Endeffekt kann das IOC seine Ideen, wie Städte sich durch den Sportbau entwickeln sollen, bis jetzt gar nicht durchsetzen. Weil sich das IOC nach den Spielen zurückzieht und sagt: Das ist jetzt euer Problem."
Nikolaus Bernau, Journalist und Architekturkritiker

In Rio lautete das Versprechen für Olympia, hier ein ganz neues Stadtviertel entstehen zu lassen. Und danach? "Die wirtschaftliche Lage ist so unsicher, dass kein Mensch weiß, was mit dem Gelände passiert", so Nikolaus Bernau.