Früher war alles geregelt: Der Mann musste als Ernährer das Geld nach Hause bringen, die Frau kümmerte sich um Haus und Hof, um die Kinder und den Mann. Einen Beruf hatte die Frau in aller Regel nicht. Das gehörte sich auch nicht, denn sonst wurde sie schnell als Rabenmutter verschrien, die zu wenig Zeit für ihren Nachwuchs aufbringt.

Heute führen wir eine Vielzahl von Lebensformen. Mal alleinerziehend, mal in einer transnationalen Ehe, mal in einer klassischen, mal in einer, in der die Frau Teilzeit arbeitet oder in einer gleichgeschlechtlichen Partnerschaft – mit oder ohne Kinder.

Dr. Johanna Possinger ist Leiterin der Fachgruppe "Familienpolitik und Familienförderung" am Deutschen Jugendinstitut in München. Sie erforscht die verschiedenen Familienformen und stellt ihre Ergebnisse im Hörsaal vor. Dabei gibt es auch überraschende Erkenntnisse wie die, dass im Berliner Bezirk Prenzlauer Berg die Alleinerziehenden inzwischen schon in der Mehrzahl sind und alle anderen Formen auf die hinteren Plätze verweisen. Die Kinder scheinen sich zunehmend darauf einzustellen. Das sagt dazu die Tochter der alleinerziehenden Mutter Irene Geuer, die für die Sendung einen subjektiven Bericht verfasst hat:

"Ich fänds doofer, wenn sie zusammenwohnen würden, dann würden sie sich streiten, das wär einfach nicht schön."
Amélie, 10 Jahre

Mitunter ist es für ganze Bevölkerungsgruppen inzwischen sogar uninteressant, sich für die klassische Form zu entscheiden:

"Und wir können ganz klar sagen, dass anscheinend für männliche Akademiker, gerade für die sogenannten High Potentials, Familie heute gar keine attraktive Option mehr ist."
Dr. Johanna Possinger, Deutsches Jugendinstitut München

Alte wie moderne Formen des Zusammenlebens bringen dennoch nie dagewesene Probleme mit sich. So fühlt sich mehr als jede zweite Mutter abends platt und ausgelaugt. Und zwar schon nach einem ganz normalen Arbeitstag.

Dr. Possinger hat an der Frankfurt University of Applied Sciences am 13.11.2014 gesprochen. Das Thema der Tagung "Wahlfamilien und Zwangsverwandtschaften". Eine gemeinsame Veranstaltung des hessischen Landeszentrale für politische Bildung, des Cornelia Goethe-Zentrums sowie des Gender- und Frauenforschungszentrums der hessischen Hochschulen.