Google hat eine Software entwickelt, die nur anhand der Fotos den Aufnahmeort identifizieren kann. Egal, ob die Fotos per Handy mit eingeschalteter GPS-Ortung aufgenommen wurden oder nicht. Planet heißt das Projekt von Google, das derzeit zwar noch vor allem Forschungsgegenstand ist, aber trotzdem schon Schlagzeilen macht.

Die Google-Forscher von der Cornell-University haben eine Software mit rund 30 Millionen öffentlichen Fotoalben von Google Plus gefüttert, von denen die Aufnahmeorte via GPS-Standortdaten bekannt sind. "Das macht 490 Millionen Bilder zum Training des Algorithmus und 126 Millionen zur Validierung", erklärt DRadio-Wissen-Reporter Andreas Noll. Diese Informationen habe sich das System, um unbekannte Bilder zuzuordnen.

Die Erde in 26.000 Quadraten

Dann hat das Google-Team die bewohnte Erdoberfläche in 26.000 Quadrate unterteilt - unterschiedlich groß: "Je mehr Bilder von einem Ort vorhanden sind, desto kleiner ist das Quadrat und desto genauer ist die Foto-Analyse." Erhält die Software dann ein unbekanntes Foto, vergleicht sie, ob es diesen Hintergrund oder einen ähnlichen schon irgendwo in der Sammlung gibt.

"Mit der Google-Software Planet ist die IT bereits erfolgreicher als der Mensch, wenn man ihm Fotos vorlegt."
DRadio-Wissen-Netzautor Andreas Noll

Die Google-Wissenschaftler haben für die Tests des Planet-Systems die Software Geoguessr eingesetzt: "Da können User anhand von Street-View-Aufnahmen oder anderen Fotos tippen, wo die Aufnahmen gemacht wurden." 28 von 50 Runden zwischen Mensch und Maschine habe dabei die Maschine gewonnen. "Die Tipps von Planet waren also näher am Aufnahmeort als die Vermutung des Menschen", erklärt Andreas Noll "und das, obwohl Menschen eigentlich anhand von Vegetation, Verkehrsschildern oder anderen Details recht gut Orte zuordnen können."

Teilweise bis auf die Straße genau

Durchschnittlich wichen die Schätzungen vom Computerprogramm 1131,7 Kilometer vom tatsächlichen Aufnahmeort der Bilder ab, bei den menschlichen Spielern betrug der Wert 2320,7 Kilometer. Diese Durchschnittswerte sind laut Andreas Noll jedoch etwas verwirrend, denn: Die Forscher haben ihr System auch mit 2,3 Millionen Flickr-Fotos getestet. Bei 3,6 Prozent der Fotos konnte die Software die Straße zuordnen - bei 10,1 Prozent immerhin die richtige Stadt. "Das ist schon eine beeindruckende Bilanz, die vor ein paar Jahren noch nicht denkbar war", sagt unser Netzautor.

Planet ist spannend - auch für Geheimdienste und Verbrecher

Noch ist Planet vor allem ein Forschungsgegenstand, aber die denkbaren Einsatzszenarien sind laut Andreas Noll fast grenzenlos: "Fotos automatisch lokalisieren ist praktisch für die einzelnen Google-Produkte, aber natürlich auch für Geheimdienste oder auch kriminelle Interessenten." Bei Google selbst ist eine Vorstufe von Planet bereits im Einsatz. Im Foto-Service von Google werden Aufnahmen mit Tieren, Landschaften oder diverse andere Unterscheidungsmerkmale bereits gefiltert und in verschiedene Ordner gepackt.

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