Plzen kann nicht nur Bier: Die Stadt ist "Kulturhauptstadt 2015". Einwohner und Touristen rennen in Museen, Theater, Galerien. Und in eine auf den ersten Blick unscheinbare Autowerkstatt im Vorort Krimice. Denn auch Car-Tuning kann Kunst sein. Unser Peng-Reporter war vor Ort.

Liebe Fahrradfahrer mit Opern-Abo, Sie müssen jetzt ganz stark sein. Denn in der Kulturhauptstadt Plzen ist Car-Tuning Kunst. Das hat zumindest unser Reporter herausgefunden und der hat - wie immer im Peng-Labor - einen ganz schönen Knall. Im Vorort Krimice, in der Tuning-Werkstatt Zlatkowiçe, ist es wahnsinnig bunt und wahnsinnig laut. Es quietscht und es stinkt nach verbranntem Gummi…

"Kultur ist nicht immer nur Oper und Museum! Statt Brahms- gibt es bei uns Brems-Spuren! Für die Leute hier ist es die schönste Musik, wenn die Gummireifen durchdrehen!"
Marek Zlatkowiçe, Tuning-Künstler

Die Kunst dabei: Die Reifen von Marek Zlatkowiçe sind bunt, also rot, giftgrün, neongelb. "Die bunten Reifen bessern die Laune der Fahrer auf. Und auch die von anderen Autofahrern!" Extra für die Kulturhauptstadt hat sich Zlatkowiçe das lauteste und bunteste Event ausgedacht.

Art meets Tec

Seine Idee: Kunst trifft Technik, also Art meets Tec. Der R-TEC, der "Rubber Tire Art Contest" war geboren: viel Krach, viel Gestank – und viel Kunst. Denn die Rennfahrer, die mit ihren aufgetunten Flitzern Dauer-Kreise ziehen, zeichnen mit ihren bunten Bremsspuren kunstvolle Linien und Kreise auf extra ausgelegten Kunststoff.

"Den Kunststoff kann man rückstandslos von der Straße ablösen und auf einen Rahmen spannen. Und fertig ist das Kunstwerk. Ich würde die Ergebnisse irgendwo zwischen abstraktem Expressionismus und Concept Art einordnen."

Die Kunsthistorikerin Viktoria Wurstner hat Zlatkowiçe bei der Bewerbung für die Kulturhauptstadt auch argumentativ unterstützt: "Da ist auch etwas Minimalismus dabei. Auf dem Kunstmarkt kann man damit schon hohe vier-, vielleicht fünfstellige Preise erzielen, ganz bestimmt." Auch Formel-1-Boss Bernie Ecclestone soll sich schon nach dieser ganz neuen Kunstrichtung erkundigt haben.