Beim Refugee-Hackathon in Berlin geht es nicht um Nerd-Spielereien: die Programmierer wollen Apps entwickeln, die Flüchtlingen helfen Wohnraum zu finden, Deutsch zu lernen und Helfern das Helfen erleichtern.

Wer fliehen muss, für den ist das Handy oder Smartphone eines der wichtigsten Gegenstände im Gepäck. Es hilft nicht nur, die Flucht zu organisieren, sondern auch im neuen Land zu kommunizieren und sich zurecht zu finden. Beim Refugee-Hackathon arbeiten Freiwillige daran, genaue diese Funktionen weiter zu entwickeln und an die besonderen Bedürfnisse anzupassen. Für die Aktivistin Anke Domscheit-Berg, die das Hacker-Treffen organisiert, können digitalen Anwendungen Flüchtlinge unterstützen in der neuen Umgebung ihre Autonomie zurück erlangen.

"Am dringendsten ist der Zugang zum Internet. Das ist ein Problem, da kaum Flüchtlingsunterkünfte über WLAN verfügen oder eine andere Möglichkeit bieten, ins Internet zu kommen."
Anke Domscheit-Berg, Organisatorin Refugee Hackathon

Ein Hackathon vernetzt Leute mit unterschiedlichen Fähigkeiten: Sie kommen zusammen, um Apps und andere digitale Anwendung zu entwickeln. Und das komprimiert auf einen knappen Zeitraum von oft nur zwei oder drei Tagen. Unter den Teilnehmern beim Refugee-Hackathon sind daher nicht nur Programmierer, Designer, User-Experience-Profis, sondern auch Fachleute für das Thema Flüchtlinge: Engagierte Freiwillige genauso wie Flüchtlingsorganisationen, Menschen, die selbst geflohen sind und Teams, die bereits an digitalen Projekten zu dem Thema arbeiten.

Welche Funktionen werden benötigt? Wo hakt es? Wo können digitale Tools helfen? - Im Austausch mit Flüchtlings-Experten zeigt sich, woran die Hackathon-Teilnehmer später arbeiten: Es geht vor allem um Kommunikation und Sprache, aber auch darum überhaupt Zugang zum Internet zu bekommen. Der Wunsch vieler Flüchtlinge ist es, sich in der neuen Gemeinde zu vernetzen, etwas zu tun, um ankommen zu können.

"Wir wollen nicht nur eine Handvoll Anwendungen entwickeln, sondern wir wollen auch Netzwerke etablieren. Wir wollen die Leute langfristig begeistern, hier zu unterstützen."
Anke Domscheit-Berg, Organisatorin Refugee Hackathon

Beim Hackathon in Berlin soll es daher nicht bei einem reinen Ideen-Feuerwerk bleiben, am Ende sollen die ersten Produkte fertig sein. Darunter lang vorbereitete Konzepte, aber auch einige Ideen, die erst tags zuvor geboren wurden. Wie etwa das Karten-Tool mit individuellen Markierungen, das in unzähligen Sprachen verfügbar ist. Fest steht: Nach dem Hackathon geht es weiter. Und zwar nicht nur mit dem Feintuning. Garant dafür ist eine Maßgabe der Macher: Alles wird als Open Source programmiert und ist damit frei zur Benutzung und Weiterentwicklung.